Wenn es um Veränderungen in Organisationen geht (und Organisationsentwickler:innen beigezogen werden dafür), denken viele an ein geplantes, strukturiertes Vorgehen. Wir machen «eine Reise», lernen Neues kennen und kommen am Schluss sicher und zufrieden am Reiseziel an.
Dieses Vorgehen gleicht einer Safari. Bei einer Safari wissen die Teilnehmer:innen in etwa, was sie erwartet beziehungsweise, was sie erwarten können. Die Route ist gut geplant, es gibt einen kompetenten Guide (einen Experten), die notwendigen Instrumente, Tools, Werkzeuge, Methoden sind parat, die Etappen sind klar geplant. Das Vorgehen ist gut strukturiert und berechenbar. Das alles gibt das gute Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.
Organisationsentwicklung ist jedoch nie eine Safari. Denn jede Organisationsentwicklung ist anders und noch nie dagewesen. Sie entspricht einer Expedition. Es gibt niemanden, der die Etappen der Expedition ganz genau bestimmen kann. Wir wissen nicht im Voraus, welche Werkzeuge und Hilfsmittel wir benötigen. Wir kennen die Hindernisse, die vor uns liegen, nicht. Selbst erfahrene Expeditionsleiter:innen können die nächste Expedition nicht komplett durchplanen.
So unterscheiden sich Safari und Expedition:
| Safari | Expedition |
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Beide Formen sind gut, sinnvoll und adäquat – im jeweiligen Kontext. Wichtig ist, dass die Teilnehmer:innen Klarheit darüber haben, in welcher Form sie unterwegs sind und auf was sie sich einlassen.
Voraussetzung, um als Gruppe voranzukommen, ist, dass wir uns in der Gruppe einig sind, in welche Richtung wir gehen und dass wir uns darauf verständigen, wie wir dabei vorgehen und uns an diese Abmachung halten. In regelmässigen Zwischenhalten tauschen wir uns über unsere gemachten Erfahrungen aus. Dabei erkennen wir, was (überraschend) gut funktioniert hat, bei was wir uns geirrt haben und welche Schlussfolgerungen wir daraus ziehen. Lernen wird zentral. Mit diesen Erkenntnissen packen wir die nächste Etappe an.
Dieses Vorgehen ist in tayloristischen, managementorientierten Organisationen wenig verbreitet. Management bedeutet, durch zentrale Steuerung (Vorgabe und Kontrolle) ein gewünschtes Resultat zu erreichen. Genau das funktioniert auf einer Expedition nicht. Diese gezielte Steuerung aufzugeben, iterativ vorzugehen, anpassungsfähig zu bleiben und Unsicherheiten auszuhalten, sind die Schlüssel für gelingende Organisationsentwicklungen.
Vielen Dank an Christoph Schmitt, der uns mit der Unterscheidung von Safari und Expedition eine gute Metapher für das Vorgehen in der Organisationsentwicklung gegeben hat.
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