Zusammenarbeit ist in vielen unserer Mandate ein zentrales Thema. Gerade in Leitungsteams geht es häufig darum, als Teammitglied in diesem Gremium eine Gesamtsicht einzunehmen und nicht nur den eigenen Zuständigkeitsbereich im Blick zu haben. Um das zu illustrieren setzen wir sehr gerne das Spiel «Gewinnt so viel ihr könnt!» ein. Bei diesem Spiel wird sehr deutlich, dass die Teilnehmer:innen nur gewinnen können, wenn sie das Gesamtwohl aller Spielgruppen im Auge behalten.
Das Spiel ist sehr einfach. Es gibt vier unabhängige Gruppen, jede Gruppe muss sich in jeder der zehn Spielrunden für «Violett» oder für «Orange» entscheiden. Je nach Farbkombination aus den vier Gruppen verteilt der/die Spielleiter:in den Gruppen Plus- oder Minuspunkte, abhängig davon, für welche Farbe sie sich entschieden haben. Die Punkteverteilung pro Farbkombination ist von Anfang an für jede Gruppe transparent und identisch. Es gibt im Verlauf des Spiels drei Unterbrechungen, in denen jede Gruppe eine:n Delegierte:n ins Zentrum schicken darf, um sich mit den anderen Gruppen abzusprechen.
Es ist jedes Mal sehr eindrücklich. Egal, ob wir es mit der Bereichsleitung eines gewinnorientierten Unternehmens, mit der Geschäftsleitung eines NPO oder mit Studierenden einer Hochschule gespielt haben: jedes Mal haben alle Gruppen am Schluss weniger Punkte als sie zu Beginn hatten. Einige Gruppen verlieren weniger Punkte als die anderen und fühlen sich dann als Siegergruppe… Sie spielen jeweils das Spiel «Verlier so wenig wie du kannst».
Eine weitere interessante Feststellung: in den Unterbruchsphasen haben die Gruppen Gelegenheit, Abmachungen zu treffen. Bei keinem Spiel, das wir jemals durchgeführt haben, haben sich alle Gruppen an die gemeinsam getroffenen Abmachungen gehalten. Mindestens eine Gruppe hat sich nicht daran gehalten, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Oft ging diese Taktik dann schief, weil auch andere Gruppen die Abmachung nicht einhielten und der vermeintliche Vorteil verwandelte sich erneut in Minuspunkte.
Bei der Auswertung zeigt sich, dass die Analogie zur Arbeitsorganisation klar ist: wir können nur als Gesamtorganisation gewinnen. Wenn wir nur den eigenen Vorteil im Blick haben, verlieren wir sowohl als Organisationsteil wie auch als Gesamtorganisation. Ausserdem wird deutlich, dass wir unser Verständnis, was gewinnen heisst, unter Umständen überdenken müssen: geht es darum, dass ich möglichst viel gewinne oder dass wir als Gesamtteam möglichst viel gewinnen? Ebenfalls erkenntnisreich ist der jeweilige Umgang mit Vereinbarungen. Hier haben wir schon oft erlebt, dass dieses Spiel ein wahrer Augenöffner war, um die Zusammenarbeit im Führungsteam deutlich zu intensivieren oder eine andere Qualität zu etablieren.
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