«Ich bin immer so (ungeduldig/launisch/emotional/gehemmt/analytisch/kopflastig…) und das stört/belastet/ärgert mich. Daran will ich arbeiten.» Ein häufig geäusserter Wunsch im Coaching.
Wenn wir davon ausgehen, dass es keine objektive Wirklichkeit gibt, sondern nur subjektive Konstruktionen von Realität und subjektive Wahrheiten, dann gilt das auch für die Eigenwahrnehmung. Durch die eigene Erfahrung und das eigene Erleben schliessen wir auf das Wesen – eben auch das eigene. Durch die Wiederholung festigt sich bei mir eine Sichtweise, die mir als problematisch erscheinen kann («Ich bin immer so ungeduldig.»).
Wenn ich das einmal verinnerlicht habe ist die Gefahr gross, dass ich mich immer stärker auf diese Sichtweise achte und sie sich so zu einer unumstösslichen Tatsache entwickelt. Das kann zu Blockaden und unangenehmen Situationen führen, aus denen ich mich selber immer schwerer lösen kann. Reframing als Coaching-Methode kann helfen, andere Perspektiven einzunehmen und die problematisch behaftete Haltung zu ändern und wieder handlungsfähig zu werden.
Bei dieser systemischen Methode wird versucht, einem Geschehen oder auch dem Verhalten einer Person einen anderen Sinn oder eine andere Bedeutung zu geben, indem es in einen anderen Rahmen oder Bezug gestellt wird. Denn sogenannt «problematisches» Verhalten kann durchaus sinnvoll sein – im entsprechenden Kontext (Jedes Verhalten macht Sinn, wenn man den Kontext kennt).
Skeptische Stimmen bezeichnen Reframing als «Schönreden» und zwanghaften Optimismus. Doch es geht nicht darum, ungünstiges oder störendes Verhalten oder die Interpretation davon zu beschönigen oder zu negieren. Geschicktes Reframing hat das Potential, eingefahrene Denkmuster zu lösen und so die Tür zu öffnen, um neue Wege gehen zu können. Wenn die Wirklichkeit von jedem Menschen durch seine Interpretation geschaffen wird ist es auch möglich, dass die Person die eigene Interpretation anpasst und so die eigene Wirklichkeit verändert.
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