Seit diesem Monat gelten bei Wingo, der Zweitmarke von Swisscom für Mobilfunk, Internet und TV, neue Mobilfunkabos. Die Firma hat veraltete Abos vom Markt genommen. Damit einher gehen ein bisschen höhere Leistung und auch neue (höhere) Preise, was zu einem medialen Aufschrei führte. Wingo hat (mutig) exnoviert (und gleichzeitig innoviert).
Innovation ist uns allen bekannt. Die meisten Firmen suchen händeringend nach DER Innovation, die das Geschäftsmodell rettet, den Umsatzrückgang stoppt oder die Ärgernisse der zunehmenden Komplexität beseitigt. Während Jahrzehnten ging es in der Wirtschaft in erster Linie um Innovation: neue Technologien, neue Geschäftsmodelle, neue Kommunikationskanäle… Diese Neuerungen brachten in vielen Fällen auch Fortschritte mit sich. Und wurden entsprechend gefeiert (man denke an die legendären Apple Conferences).
Doch die vielen Innovationen brachten auch ein grosses Wirrwarr, Doppelspurigkeiten und Abhängigkeiten. Firmen mussten die neusten Technologien zusätzlich zu den bestehenden einsetzen, bedienen und warten. Am Anfang war die Briefpost. Dann kam der Fax dazu. Dann das Internet und E-Mail. Dann die Social-Media-Kanäle. Das führt zu grossem Aufwand und hohen Kosten. Wenn sich eine Firma – aus welchen Gründen auch immer – nicht vom Fax-Service trennt, wird die Wartung der Geräte und die zu bedienenden Kompetenzen dazu immer kostspieliger.
Beim Faxgerät ist es offensichtlich. Doch den gleichen Mechanismus gibt es auch bei vielen anderen Maschinen, Dienstleistungen, Methoden, Regeln, Prinzipien oder Prozessen. Nur weil es einmal nützlich war, ein wöchentliches Meeting einzuführen, muss es nicht auf ewig durchgeführt werden. Oder den monatlichen Bericht, den niemand mehr liest. Eine Führungsperson einer grossen Organisationseinheit hat uns im Gespräch einmal gesagt: «Wir sind super in der Adaption von Neuem und tun uns unendlich schwer, etwas nicht mehr zu machen und es abzuschaffen. Also machen wir einfach alles weiter.»
Auch in unserer Beratungsarbeit erleben wir das immer wieder. Organisationen tun sich unglaublich schwer mit der Exnovation und unterschätzen deren Nutzen. Oder wie Tilmann Betsch, ein Psychologe von der Universität in Erfurt, sagt: «Unser Gehirn mag das Weglassen nicht.»
Es gibt primär drei Gründe, warum sich Organisationen schwertun, Dinge abzuschaffen.
Statt nur zu innovieren sollten sich Organisationen auch bewusst mit Exnovation befassen. Einfacher fällt Exnovation, wenn sie bereits bei der Innovation mitgedacht wird. Diese Denkweise nimmt zu im sogenannten «Life Cycle Management», bei dem die «Lebensdauer» einer Idee, eines Meetings, eines Prozesses, eines Produkts oder einer Dienstleistung durchgespielt wird. Nützliche Leitfragen könnten sein:
Wann haben Sie selber zuletzt etwas abgeschafft?
Was wurde kürzlich in Ihrer Organisation ganz offiziell abgeschafft? Wieviel Beachtung hat die Exnovation bekommen?
Sehr spannende und weitere Ausführungen zu Exnovation sind bei Luc Cachelins Wissensfabrik zu finden.
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