12.05.2021

Iteratives Vorgehen in der Organisationsentwicklung

Bei Komplexität hilft ein Plan wenig.

Werkzeuge und Fertigkeiten

Vorbereitung ist nicht das gleiche wie planen. Vorbereiten heisst, sich fit zu machen und seine Werkzeuge aufzufrischen und seine Fertigkeiten auszuweiten und zu vertiefen.

Viele Organisationen erkennen, dass ihre Strukturen, Entscheidungsprozesse und Zusammenarbeitsformen den Anforderungen der zunehmenden Komplexität ihres Geschäfts nicht mehr genügen. Sie verstehen, dass sie sich verändern müssen, um zukunftsfähig zu bleiben. Der erste Impuls: Wir brauchen ein sorgfältiges Change Management, damit der Veränderungsprozess nicht (wieder) ins Stocken gerät. Weil dieses Mal müssen wir alle begeistern, denn es ist ja wirklich wichtig. Warum Change Management häufig der falsche Ansatz ist, davon handelt dieser Blogbeitrag.

In Komplexität ist gezielte Steuerung kaum möglich

Management bedeutet, durch gezielte Steuerung ein gewünschtes Resultat zu erreichen. Im Zusammenhang mit Veränderung heisst also Change Management, wohl überlegte Massnahmen einzuleiten, um eine Veränderung im Unternehmen zu erzielen. Das Problem dabei: in Komplexität ist es kaum möglich, ein klar definiertes Ziel mit einem Plan zu erreichen. Zu viele unbekannte Faktoren beeinflussen den Weg und ob sich das Ziel tatsächlich klar bestimmen lässt, ist zweifelhaft. Es braucht dann immer wieder Plan- und/oder Zielanpassungen. Das ist frustrierend, zermürbend, aufwändig und teuer.

Kein Plan heisst nicht unüberlegt

Eine bessere Vorgehensweise ist es, die ungefähre Zielrichtung einzuschlagen und dann loszugehen. Ohne langfristigen Plan mit ausdefinierten Meilensteinen, denn einen solchen kann es gar nicht geben. Der Weg führt schliesslich in absolutes Neuland, wo noch niemand zuvor war. Es ist eine Expedition – mit ungewissem Ausgang. Ohne Plan loszulaufen heisst nicht, kopflos und wild drauf los zu gehen. Im Gegenteil: eine gute Vorbereitung ist das A und O. Vorbereitung heisst, sich Fertigkeiten anzueignen und Werkzeuge bereitzustellen, die in neuen, unbekannten Situationen helfen. Eine solche nützliche Fertigkeit ist beispielsweise die Reflexion; ein Beispiel für ein Werkzeug ist die Retrospektive.

Iteratives Vorgehen

Während der Expedition reflektiere ich regelmässig den zurückgelegten Weg und überprüfe, ob die Zielrichtung noch stimmt. Allenfalls justiere ich die Marschrichtung, passe aufgrund der Erfahrungen der letzten Etappe meine Werkzeuge und Fertigkeiten an und nehme die nächste Etappe in Angriff. Mit diesem Vorgehen spare ich viel Aufwand für eine Planung (die nach kurzer Zeit ohnehin hinfällig ist) und ich bin flexibel genug, meine Zielrichtung anzupassen, wenn sich in der Zwischenzeit Wesentliches verändert hat.

Autor

Beat Kunz

Beat Kunz ist Organisations- und Kommunikationsberater. Im Blog berichtet er aus seiner vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

Alle Blogbeiträge dieses Autors

Kommentare(0)

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht. Zwingende Felder sind mit einem * markiert!

zum Seitenanfang