16.08.2017, Entwicklung von Organisationen

Eine Vision erfordert Mut zur Grösse

Bei eigener Betroffenheit ist es eine Herausforderung, gross zu denken.

Die Inhaberin und Geschäftsführerin eines kleinen Unternehmens in Luzern, das sich durch gute Arbeit im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements eine hohe Reputation aufgebaut hat, gelangte an crearium. Sie hat bei sich festgestellt hat, dass ihr der Elan abhanden gekommen ist. «Wir machen einen guten Job, die Kunden sind zufrieden und die Geschäfte laufen ausgezeichnet», teilte sie uns mit. «Aber die Arbeit ist mit hohem Aufwand verbunden und es hat sich ziemlich viel Routine eingeschlichen.» Sie suchte Unterstützung, um wieder Schwung und Freude in das Unternehmen zu bringen. «Viele Jahre haben wir das Geschäft aufgebaut. Wir hatten ein Ziel und wollten etwas erreichen. Jetzt sind wir dort angelangt und ich weiss nicht, wohin es weitergehen soll. Mir fehlt die Vorstellung der nächsten Etappe.»

Situationsanalyse mit Aussensicht

Für die Situationsanalyse hat uns die Geschäftsführerin viele Informationen und Geschäftszahlen zur Verfügung gestellt. Unsere Aussensicht hat es uns ermöglicht, das Geschäft aus einer anderen Perspektive zu betrachten als die Mitarbeitenden, die täglich damit zu tun haben. Neben zwei weiteren Entwicklungsthemen schlugen wir der Geschäftsführerin vor, gemeinsam mit ihr eine Vision zu entwickeln.

Eine Vision soll inspirierend sein, nicht realistisch

Dieser Prozess ist herausfordernd und mit vielen «Ja, aber» verbunden. In unserer Beratungstätigkeit stellen wir immer wieder fest, dass sich Unternehmen nicht getrauen, visionär zu denken. Oft ist der Blickwinkel durch die eigene Betroffenheit zu eng oder Verstrickungen trüben die Sicht. Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger stehen häufig unter einem gewissen Druck, die beste Lösung für vorhandene Probleme zu finden. Dann ist es schwierig, losgelöst von dem, was realistisch ist, über sich hinaus zu wachsen. Eine Vision hat ausserdem die Eigenschaft, in Anbetracht der täglichen Geschäftsherausforderungen utopisch zu wirken. Doch genau das macht eine Vision aus. Sie soll inspirieren und in Richtung eines grösseren Ziels weisen. Das hat eine starke Ausstrahlungskraft und erzeugt Sinn und Zweck – nicht nur für die Geschäftsleitung, sondern ganz besonders auch für die Mitarbeitenden.

Eine Vision ist häufig grösser als man denkt

Das Entwickeln einer Vision braucht Mut. Es geht darum, das vermeintlich sichere Terrain des Bekannten zu verlassen. So dachte auch die Geschäftsführerin in eine Zukunft von ein paar Jahren und einer Optimierung von ein paar Prozent. Die schlussendliche Vision, die wir gemeinsam entwickelt haben, ist sehr viel grösser und weiter, aber auch unerreichbarer. Für das Unternehmen ist sie dennoch enorm hilfreich, weil sie Sinn erzeugt und sich das Handeln danach ausrichten kann. Das ist schlussendlich auch für die Kunden spürbar.

Am Schluss des Workshops war die Geschäftsführerin zwar erschöpft, aber sehr zufrieden. «Jetzt weiss ich wieder, wohin es gehen soll und an was ich arbeiten will. Es ist nicht so, dass ich jetzt weniger zu tun hätte. Aber die Arbeit macht wieder Freude und ich sehe Möglichkeiten, wie ich das Geschäft weiterentwickeln kann», sagte sie uns nachträglich. Wir bedanken uns bei der Kundin für das Vertrauen und wünschen ihr weiterhin erfolgreiche Geschäfte.

Wir empfehlen, sich für die Entwicklung einer Vision dann Zeit zu nehmen, wenn die Auftragslage gut ist und die Ressourcen vorhanden sind. Das war bei dieser Kundin der Fall und trug wesentlich zu einem gelungenen Entwicklungsprozess bei. So ist es möglich, sich freier vom Alltagsdruck neuen Ideen zuzuwenden. In der Not – dann, wenn eine Vision besonders hilfreich wäre – eine Vision zu entwickeln, ist sehr anspruchsvoll.

Autor

Beat Kunz

Beat Kunz ist Organisations- und Kommunikationsberater. Im Blog berichtet er aus seiner vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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