19.02.2020

Im Umgang mit Veränderung braucht es Lerngefässe

Ein Beispiel für Lernen im Team ist die Retrospektive.

Retrospektive

Die Retrospektive ist ein ausgezeichnetes Instrument für das Lernen im Team.

An der Perikom-Veranstaltung vom 11. Februar 2020 sagte Prof. em. Dr. Theo Wehner: «Innovare (Innovation) heisst auch, sich den Dingen neu zuzuwenden.» Dafür braucht es Raum, Reflexion und gemeinschaftliches Abstimmen. Gerade jetzt, wenn in der Arbeitswelt viel im Umbruch ist, braucht es solche Orte. Und dabei findet Lernen statt. Oder wie ein Teamleiter mir gerade berichtete: «In unserer Organisation stellen wir gerade auf flexibles Arbeiten um. In der neu eingeführten Retrospektive werden wir besprechen, wie wir das für uns gestalten wollen.» Als Lerngefäss im Team eignet sich die Retrospektive hervorragend. Davon handelt dieser Blogbeitrag.

Was ist eine Retrospektive?

Eine Retrospektive ist ein wiederkehrendes Team-Ereignis aus der agilen Arbeitsweise. Dabei trifft sich das ganze Team und reflektiert seine Zusammenarbeit bezüglich Effektivität, Effizienz und der Teamarbeit. Das Wort Retrospektive (lat. retrospectare «zurückblicken») beschreibt einen Rückblick auf Vergangenes und ist in der Kunst bereits weit verbreitet. In diesem Zusammenhang werden oft die Gesamtwerke eines Künstlers oder einer Künstlerin betrachtet oder eine Schaffensphase unter einem spezifischen Aspekt gewürdigt. In der agilen Arbeitsweise wird die Retrospektive ebenfalls als eine Art Rückblick verstanden. Immer mit der Absicht, daraus zu lernen, um für die Zukunft besser und geschickter unterwegs zu sein. Das Ziel der Retrospektive ist es, die Verbesserung und die Entwicklung im Team selber zu gestalten und voranzutreiben.

Wie unterstützt die Retrospektive das Lernen im Team?

Grundbedingungen, um als Team überhaupt arbeits- und leistungsfähig zu sein, sind Vertrauen und gemeinsame Abstimmung. Dafür braucht es Orte der Begegnung und des Austausches. Die Retrospektive «ritualisiert» diese Begegnung und unterstützt dabei die Teambildung. Ein wesentlicher Punkt für den Lernprozess ist die Übernahme von Verantwortung. Alle im Team reflektieren und tragen mit ihren Inputs dazu bei, dass neue Lösungen, Ideen oder Wege gefunden werden. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin eröffnet neue Perspektiven! Gemeinsam wird am Schluss entschieden, welche Punkte in welcher Priorisierung übernommen werden. In der nächsten Retrospektive wird dann darüber reflektiert, wie sich diese Punkte seit der letzten Retrospektive entwickelt haben. Ein Team erlebt sich dabei selber als höchst wirksam und als Treiber der Entwicklung. Weitere Bausteine im Lernen sind die gelebte Fehlerkultur und das Feiern von Erfolgen. Es ist unglaublich motivierend, auch mal als Team sagen zu können: das ist uns richtig gut gelungen!

Was braucht es für eine Retrospektive?

Voraussetzung für eine Retrospektive ist ein Team, das Lust hat, etwas Neues auszuprobieren. Weiter wird für den Dialog ein Raum (das kann ein grosser Meeting-Raum sein) und Zeit (zum Beispiel ein bis zwei Stunden) benötigt. Dann braucht es eine Person, die die Moderation übernimmt. In der Scrum-Welt heisst diese Rolle Scrum Master. Sinnvollerweise ist das jemand, der Lust hat, sich mit der Retrospektive und deren fünf Phasen auseinander zu setzen. Am Anfang ist es hilfreich, dass es immer die gleiche Person ist. Mit der Zeit bekommt das Team Routine im Ablauf und die Moderation kann auch alternierend stattfinden. Die Retrospektive kann innerhalb der fünf Phasen mit unterschiedlichen Methoden durchgeführt werden und findet immer wieder (zum Beispiel alle vier Wochen) statt.

Sind Sie neugierig geworden? Haben Sie Lust, die Methode kennen zu lernen und in Ihrem Team eine Retrospektive durchzuführen? Hier finden Sie Informationen zu Workshops rund um die Retrospektive.

In einer Kooperation mit Kaspar Käser von Changeloop veranstaltet crearium eine Serie von Workshops rund um das Thema Retrospektive.

Autor

Luzia Anliker

Luzia Anliker ist Beraterin und Coach. Im Blog berichtet sie aus ihrer langjährigen und vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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