Newsletter Abonnieren Sie unseren Newsletter – auf dieser Seite ganz unten!
22.05.2019, Interkulturelle Entwicklung

Zu Tisch an einem unbekannten Ort mit noch unbekannten Menschen

Eine Möglichkeit, die eigene interkulturelle Kompetenz zu trainieren.

Apéro in Milano

Apéro bei einer Gastgeberin in Milano.

Ich bin davon überzeugt, dass wir in Zukunft noch mehr interdisziplinär und kulturübergreifend zusammenarbeiten werden. Das heisst, die Fähigkeit mit Menschen, egal aus welcher Herkunft und beruflicher Zuordnung, zusammen zu arbeiten, ist enorm wichtig. Diese Fähigkeit nenne ich interkulturelle Kompetenz. In früheren Blogbeiträgen habe ich bereits Aspekte der interkulturellen Kompetenz beschrieben, so zum Bespiel die Ambiguitätstoleranz, die selektive Wahrnehmung oder den Umgang mit der eigenen Wahrnehmung. Da auch ich meine eigene interkulturelle Kompetenz immer wieder trainieren möchte, stelle ich in diesem Blogbeitrag eine für mich sehr anregende Variante vor.

Eatwith – eine Organisation rund ums Essen

«Eatwith» ist die weltweit grösste Gemeinschaft für authentische Ess-Erlebnisse mit Einheimischen in mehr als 130 Länder. Die Plattform verbindet private Gastgeber (Hosts) mit privaten Essensteilnehmern. Man wählt eine Stadt aus und erhält verschiedene Hosts als Vorschlag. Die potentiellen Gastgeber stellen sich auf der Webseite kurz vor. Ausserdem ist das Menü ersichtlich. Was nicht zu sehen ist: wer sonst noch mit am Tisch sitzen wird. Die Gastgeber und -geberinnen kochen bei sich zu Hause ein Mahl und bieten eine gewisse Anzahl an Plätze zur Verfügung (gegen Bezahlung). Im Vordergrund steht die gemeinsame Leidenschaft am guten Essen und der Austausch und weniger der finanzielle Ertrag.

Einblick in andere Lebensräume

Ich habe bereits mehrere Gelegenheiten genutzt und unglaublich bereichernde Abende erlebt. Es ist eine tolle Möglichkeit, mehr über die Art, wie jemand in einem anderen Land lebt, zu erfahren. Man erhält einen Einblick in die Lebensrealität der Menschen, der so als Tourist in Hotels und Restaurants nicht möglich wäre. Von London zum Bespiel habe ich in lebhafter Erinnerung, wie auf engsten Raum ein 5 Gänge Menü kredenzt werden kann. In der privaten Atmosphäre ist es auch möglich, Fragen über die Kultur oder das Land zu stellen, was sonst als Tourist ja nicht immer so einfach ist. Gerade das Gastgeberpaar oder die einzelnen Hosts verraten viel über die Kultur in der Art, wie sie das Essen und den Abend gestalten.

Wahrnehmen und sich selber dabei besser verstehen

Sie fragen sich vielleicht, wo bitte in all der Schlemmerei denn das Training oder das Lernen steckt? Es fängt bereits bei der Buchung an: Wie offen bin ich für Gerichte, die ich nicht kenne? Wie leicht fällt es mir, mich auf einen Abend einzulassen, bei dem ich niemanden kenne? Wie gehe ich damit um, wenn ich Einblick in mir fremde Rituale erhalte? Der ganze Abend ist eine wunderbare Gelegenheit, die eigene Wahrnehmung zu üben, sich auf Unbekanntes einzulassen, vielleicht sogar Vorurteile abzubauen und Neues zu entdecken.

Wir können diese Plattform und die Erfahrung nur empfehlen. Lassen Sie sich überraschen! Vielleicht sitzen Sie demnächst an einem fremden Ort bei einer unbekannten Person zu Hause an einem Tisch mit Menschen, die Sie vorher noch nie gesehen haben und geniessen ein leckeres Essen!

Autor

Luzia Anliker

Luzia Anliker ist Beraterin und Coach. Im Blog berichtet sie aus ihrer langjährigen und vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

Alle Blogbeiträge dieser Autorin

Kommentare(0)

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht. Zwingende Felder sind mit einem * markiert!

zum Seitenanfang