17.06.2020

Verantwortung auf viele Schultern verteilen

Wie sich Führungskräfte entlasten können.

Druck verteilen

Verantwortung teilen, um den Druck auf den einzelnen zu verringern.

Nicht nur in den letzten Wochen, auch schon davor, hören wir von Chefs, Geschäftsführenden und Inhaberinnen und Inhabern immer wieder, dass es schwer ist, die Verantwortung für das Unternehmen zu tragen. Krisenzeiten oder abspringende Kunden können für Menschen, die sich die ganze Last der Verantwortung für das Unternehmen und dessen Menschen geschultert haben, zu grossem Druck und schlaflosen Nächten führen. Wie wäre es, die Verantwortung auf viele Schultern zu verteilen? Das würde die Last wohl deutlich verkleinern. Aber geht das überhaupt? Oder ist es ein Naturgesetz, dass es in jedem Unternehmen eine Person braucht, die die Verantwortung auf sich nimmt? Davon handelt dieser Blogbeitrag.

Verantwortung verteilen

Das Tragen der Verantwortung für ein Unternehmen kann ganz schön belastend sein – wenn ein einzelner Mensch die gesamte Verantwortung trägt. Dass es auch anders geht zeigen diverse Unternehmen: Buurtzorg in Holland, Alois Heiler GmbH in Deutschland oder Liip und Freitag in der Schweiz. In diesen Unternehmen ist die Verantwortung auf alle Mitarbeitenden verteilt. Das entlastet enorm und nimmt den Druck, der sonst auf einer einzelnen Person ruht, weg.

Verantwortungsträger sind Entscheidungsträger – und umgekehrt

Verantwortung zu tragen hat viel mit entscheiden zu tun. Wer Verantwortung trägt, entscheidet auch. Das kann als Privileg aufgefasst werden (darf entscheiden) oder als Bürde (muss entscheiden). Und umgekehrt gilt: Wer entscheidet, übernimmt Verantwortung.

In hierarchischen Organisationen, wo die Verantwortung ganz oben liegt, müssen die Verantwortungsträger (und somit Entscheidungsträger) Entscheide treffen, über die sie nicht (immer) die nötige Fachkenntnis haben. Das kann sein, weil sie zu weit weg sind von den Entscheidungssituationen oder weil die Sachlage so kompliziert ist, dass sie gar nicht alles überschauen können. Die Unsicherheit, ob der gefällte Entscheid richtig oder falsch ist, muss quälend sein – gerade im Wissen darum, dass die Fachkompetenz möglicherweise nicht genügt, um die Konsequenzen des Entscheid abschätzen zu können.

Entscheide den Fachkräften überlassen

Bevor Führungskräfte einen Entscheid fällen, können sie natürlich ihre Mitarbeitenden konsultieren. Oder ihnen den Entscheid grad vollständig überlassen. Schlussendlich wissen diese sowieso besser Bescheid über den Sachverhalt. Und können die Konsequenzen entsprechend einschätzen. Das führt dazu, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen – und damit die Führungskraft entlasten.

Verschenktes Potenzial

Wer Verantwortung übernimmt, denkt auch mit. Mehr Mitdenkerinnen und mehr Mitdenker führen zu mehr Ideen, Vorschlägen, Verbesserungen und Innovationen. In Zeiten von Ungewissheit und Komplexität sind das entscheidende Vorteile. Organisationen verschenken Potenzial bei Mitarbeitenden, wenn sie nicht darüber nachdenken, wie Entscheidungen und Verantwortung verteilt werden können. Mit Folgen auf die Zufriedenheit von Mitarbeitenden, auf die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung und die Legitimation der Entscheide, auf die Qualität der Arbeit und nicht zuletzt auch auf die Gesundheit der Führungskräfte. Verschenktes Potenzial, das sich kein Unternehmen leisten kann.

Autor

Beat Kunz

Beat Kunz ist Organisations- und Kommunikationsberater. Im Blog berichtet er aus seiner vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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