14.10.2020

Veränderungen finden immer zweimal statt

Eine Organisation ist auf dem Weg zur «Lernenden Organisation» und setzt sich mit dem Wesen von Veränderung auseinander.

Wahrnehmungs-Change

Veränderung findet auf zwei Ebenen statt.

In der Wirtschaftswelt wird es immer klarer: wir befinden uns in grossen Umbruchzeiten. Veränderung ist für Organisationen unabdingbar und obwohl Veränderung zum Leben gehört, ist diese Disziplin in Organisationen noch recht jung. Darum hilft es generell, sich auch mit Change auseinanderzusetzen. Eine Einheit einer Organisation aus dem Energiesektor befasst sich in einer Barcamp Session mit dem Unterschied zwischen Realitäts-Change und Wahrnehmungs-Change. Was das heisst und welche Erkenntnisse diese Session ausgelöst hat, davon handelt dieser Blogbeitrag.

Die Arbeit an der Realität

Im Handeln sind wir oft sehr gut und in der Arbeit an der Realität geht es um praktisches Tun. Jemand hat eine Idee und bringt einen Input. Der Vorschlag wird angenommen und sofort treten wir in Aktion und starten die Umsetzung. Dabei ersetzt das Neue etwas bestehendes im System. Das passiert ständig und ist ein kontinuierlicher Prozess. Arbeit an der Realität bedingt Aktion und Handeln und ist beobachtbar und oft sogar messbar.

Die Arbeit an der Wahrnehmung

In der Arbeit an der Wahrnehmung geht es darum, über die Art, wie ich die Dinge sehe, zu reflektieren. Das ist eine Herausforderung und oft bestimmen unsere existierenden Denkmodelle, Muster, Paradigmen und Dogmen unsere Wahrnehmung. Durch Reflexion und Denken ist es möglich, meine Wirklichkeitskonstruktion wahrzunehmen und zu verändern. Das ist harte Arbeit für jede einzelne Person und passiert in Sprüngen. Dabei helfen uns Fragen, Überraschungen, merkwürdige Ideen und Dialoge. Zum Beispiel ist die Wirkung eines neuen Denkmusters von aussen nicht messbar und nur manchmal beobachtbar. Für die einzelne Person ist das neue Denkmuster oft der Ursprung für neue Handlungen und/oder erzeugt die Vorstellungskraft von etwas Neuem.

Und welche Erkenntnisse löste dieses (neue) Wissen aus?

In der Session im gemeinsamen Gespräch über diese zwei Seiten von Change äusserte ein Teilnehmer die Einsicht: «Wir konzentrieren uns vor allem auf das Tun in unserer Arbeit, wenn wir Veränderung initiieren. Wir sind sogar äusserst gut darin, Dinge zu verändern. An was wir zu wenig denken, ist die Bedeutung der Wahrnehmung. Hier lohnt es sich, noch mehr zu tun.» Darüber war sich die Gruppe einig. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit, dass Arbeit an der Wahrnehmung wichtig ist, war geschaffen. In den nächsten Gesprächen geht es darum, wie die Arbeit an der Wahrnehmung gefördert werden kann. Wir teilen die Erkenntnis aus dieser Session. Auch wir beobachten in Organisationen, dass Arbeit an der Wahrnehmung oft vernachlässigt wird.

Vertiefende Lektüre: Realitäts-Change und Wahrnehmungs-Change im Buch «Komplexithoden» von Niels Pfläging und Silke Hermann.

Autor

Luzia Anliker

Luzia Anliker ist Beraterin und Coach. Im Blog berichtet sie aus ihrer langjährigen und vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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