24.02.2021

Tetralemma – eine Methode, die bei persönlichen Entscheidungen nützlich ist

Nochmals studieren oder nicht – ein junger Mann ringt mit sich.

Tetralemma

Tetralemma ist eine Methode aus der systemischen Beratung.

Entscheidungen zu fällen ist nicht immer leicht. Insbesondere, wenn sie grosse oder gewichtige Themen betreffen, die weitreichende Konsequenzen mit sich tragen. Ein Mann trägt eine Entscheidung mit sich herum, die seine berufliche Entwicklung massgeblich mitprägt. «Soll ich nochmals ganz von vorne anfangen? Soll ich nochmals studieren? Was bedeutet das für mich und meine junge Familie?» Eine Entscheidung, die kein mittelmässiges Urteil verdient und darum ernsthaft bedacht werden will. Was aber, wenn alle Optionen und Fakten aufgeschrieben, bewertet und analysiert sind und sich noch immer keine eindeutige Antwort abzeichnet? Was, wenn ich die Frage bereits längere Zeit mit mir herumtrage und ab einem bestimmten Punkt entschieden werden muss, weil eine Nichtentscheidung einer Entscheidung gleichkommt? Wie gelange ich bei einer komplexen Frage zu einer Antwort? In solchen Situationen schlage ich gerne die Methode «Tetralemma» vor.

Tetralemma

Diese Übung ist eine reine Entscheidungsaufstellung, die im Coaching vor allem durch Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer bekannt wurde. Der Einsatz ist sinnvoll, wenn mein Gesprächspartner berichtet, dass alle Optionen in allen Varianten mehrfach durchdacht wurden, sich aber keine Entscheidung abzeichnet. Diese Methode führt meinen Gesprächspartner weg von der rationalen Ebene hin zu der emotionalen, körperlichen Erfahrungsebene. Dabei eignet sich das Tetralemma für berufliche, persönliche oder private Fragen. Das Tetralemma ist eine Methode aus der systemischen Beratung.

Die fünf Felder

Das Tetralemma enthält fünf Positionen:

  1. Das Eine
  2. Das Andere
  3. Beides
  4. Keins von beiden
  5. Nichts von dem

Diese Positionen werden auf Karten geschrieben und auf den Boden gelegt. Der Kunde nimmt nacheinander die Positionen der fünf Felder ein. Während diesem Probestehen auf der Karte/Position leitet der Coach mit folgenden Fragen durch den Prozess:

  • Wie fühlt es sich an, auf diesem Feld zu stehen?
  • Welche Körperteile oder Regionen nehmen Sie wahr?

Die erlebten Körperimpulse geben in der Regel äusserst klare Hinweise, welches Feld eine gute Option ist. Sie denken jetzt möglicherweise: Na ja, Hokus-Pokus? Machen wir einen Versuch: Erinnern Sie sich an Ihre erste grosse Liebe zurück! Wo breitet sich Ihre Erinnerung aus? Welche Körperregionen melden sich? Diese «Zeichen» sind sogenannte somatische Marker. Nach Antonio Damasio teilt das emotionale Erfahrungsgedächtnis über ein körperliches Signalsystem (somatische Marker) mit, was gute und was schlechte Entscheidungen sind.

Nutzen dieser Methode

Fast immer sind die Kunden über die Wirksamkeit und die Reaktionen ihrer Körper verblüfft. Die Menschen zweifeln vorher oft an den eigenen Fähigkeiten, körperliche Reaktionen wahrzunehmen und sind dann über die Meldungen sehr erstaunt! Das Ergebnis ist in der Regel sehr eindeutig und schnell ersichtlich. In der Nachbesprechung höre ich darum oft die Aussage: «Jetzt ist es mir klar!». Und um das geht es – damit ich für mich selber Klarheit gewinne, was ich will. Wenn ich weiss, was ich will, braucht es keine Entscheidung mehr.

Und der junge Mann? Er hat für sich Klarheit gewonnen und wagt den Schritt nochmals für einen Neustart. Und zwar mit einem Teilzeit-Studium, so dass es familienverträglich ist. Ich wünsche ihm vom Herzen alles Gute und viel Freude im Eintauchen in das neue Fachgebiet.

Quellen:

  • Varga von Kibéd, Insa Sparrer (2003). Ganz im Gegenteil. Heidelberg: Carl-Auer Verlag.
  • Antonio Damasio (2000). Ich fühle, also bin ich. München: List Verlag.

Autor

Luzia Anliker

Luzia Anliker ist Beraterin und Coach. Im Blog berichtet sie aus ihrer langjährigen und vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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