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05.12.2018, Entwicklung von Individuen

Scheitern – ein versöhnliches Plädoyer zum Jahresende

Wenn etwas scheitert ist das schmerzhaft. Doch es gibt auch einen Akt des Zusammenfügens.

Scheite

Scheitern heisst im ursprünglichen Sinn, in Stücke (Scheite) gehen.

Gegen das Jahresende hin ordnen sich bei vielen Menschen die Gedanken und der Bedarf nach einem Coachingtermin steigt. In diesen Reflexionsfenstern tauchte in diesem Jahr ein Thema mehrmals auf: das Gefühl von Scheitern. Dieses Thema treibt uns Menschen offensichtlich um und auch Radio SRF hat in der Sendung «Input» das Thema Scheitern aufgegriffen.

Was ist scheitern?

Laut Duden bedeutet das Wort scheitern, ein angestrebtes Ziel nicht zu erreichen, keinen Erfolg zu haben. Rita Roos, Fastbundesrätin, im Radiointerview beschreibt es so: «Manchmal ist es ein blöder Zufall, dass man nicht zum Zug kommt.» Scheitern heisst, etwas ist misslungen. Der Begriff «scheitern» stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist aus dem Wort «Scheit» abgeleitet. Scheitern heisst, in Stücke (Scheite) gehen. Damit umschreibt das Wort sehr gut den Akt des Schmerzes im Moment des Scheiterns.

Umgang mit dem Scheitern

Ich gehe davon aus, dass wir alle den Prozess des Scheiterns kennen. Der Umgang mit dem Gefühl des Zerspringens, wenn wir im Bild des Scheits bleiben, der Scham, der Enttäuschung ist eine Herausforderung und sehr individuell. Rita Roos nennt uns im Interview ihre Tipps: Wanderschuhe anziehen und laufen. «Ich zweifelte an der eigenen Identität und darum musste ich in mich gehen und zurückkehren zu meiner Stärke. Ich fragte mich, wer ich bin, was sind meine Lebensziele, was kann ich gut und was sind meine eigenen Kräfte und Möglichkeiten.» Im Bild des Scheits ist das ein Akt des sich wieder Zusammenfügens. In diesem Entwicklungsprozess und im Umgang mit den schwierigen Gefühlen sind uns gute Weggefährten eine grosse Unterstützung.

Scheitern ist eine Lernchance

Auf der Ebene des Lernens ist das Scheitern auch immer eine Chance. In der Fehleranalyse kann ich verstehen, welche Parameter eine Rolle gespielt haben. Welche Punkte hatte ich selber in der Hand und welches Verhalten von mir hat was bewirkt. Wenn ich das reflektiere, erschliessen sich mir neue Handlungsmöglichkeiten und ich habe aus meinem «2. Platz» etwas gemacht. Meine Erfahrungen als Coach haben mir gezeigt, dass eine gute Reflexion erst möglich ist, nachdem ich mich angemessen um die schwierigen Gefühle wie Enttäuschung, Scham oder Wut gekümmert habe.. Wenn ich diese Lernchance nutze, verliert das Scheitern langfristig auch immer mehr an Schrecken. Oder wie Rita Roos sagt: «Aus den Momenten, wo etwas nicht zum erwarteten Erfolg geführt hat, den ich da angestrebt habe, konnte ich sehr viel anderes Positives machen.» Auch sie spricht hier die Versöhnung mit der Situation und mit sich selber an.

Jahresrückblick

Die folgenden Fragen könnten einen Anfang sein für den gedanklichen Jahresabschluss:

  • Welche Ziele habe ich mir dieses Jahr gesetzt?
  • Welche habe ich erreicht und welche nicht?
  • Habe ich das Erreichte genügend gefeiert und mich erfreut?
  • Wo empfinde ich beim Nichterreichten Gefühle des Scheiterns?
  • Habe ich mich um die schwierigen Gefühle genügend gekümmert?
  • Habe ich meine Lernchance mit einer Analyse genutzt?
  • Konnte ich mich zu einem gewissen Grad bereits mit der Geschichte versöhnen?

Der Link zur Sendung «Input» von Radio SRF: https://www.srf.ch/sendungen/input/auf-dem-zweiten-platz-und-jetzt (50:23 Min.)

Die «Input Story» ist ein Auszug aus der «Input»-Sendung und erzählt die Geschichte von Rita Roos: https://www.srf.ch/sendungen/input/der-zweite-platz-eine-fast-bundesraetin-erzaehlt (17:38 Min.)

Autor

Luzia Anliker

Luzia Anliker ist Beraterin und Coach. Im Blog berichtet sie aus ihrer langjährigen und vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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