02.10.2019

Relative Ziele statt fixe Vorgaben

Fixe Ziele blenden den Marktverlauf aus, während relative Ziele in Verbindung zum Markt stehen.

Relative Ziele

Relative Ziele berücksichtigen unvorhergesehene Ereignisse.

Herbstzeit = Wildzeit. Oder wilde Zeiten, wenn man nicht so mahlzeitenfixiert ist wie wir. Mit wilden Zeiten meinen wir das jährliche Ringen ums Budget, das die vorgegebenen Finanzziele abbilden muss. Dass es auch anders möglich ist, haben wir im Rahmen unserer Recherchen zu alternativen Organisationsformen erfahren. Kürzlich führten wir ein Gespräch mit dem CEO von Trisa, einem KMU mit mehr als 1'000 Mitarbeitenden. Er hat uns gesagt, dass ihm die Vorgabe von fixen Zielen noch nie eingeleuchtet habe. Die Firma misst ihren Erfolg seit vielen Jahren an relativen Zielen. Worin unterscheiden sich fixe und relative Ziele? Davon handelt dieser Blogbeitrag.

Fixe Ziele sind Planvorgaben

Fixe Ziele (beispielsweise Steigerung des Umsatzes um 2.5 Prozent) eignen sich hervorragend, um zu planen. Wir wissen, wohin wir wollen und können uns entsprechend ausrichten und die Ressourcen effizient einsetzen. Unglücklicherweise nimmt die Planbarkeit in Unternehmen in Zeiten hoher Dynamik und Komplexität stark ab. Im Verlauf eines Jahres passiert so vieles, das niemand voraussehen konnte und das sich auch auf die Finanzen auswirkt. Das Ziel wird mit grösster Wahrscheinlichkeit verfehlt, weil in der Zwischenzeit Ereignisse eingetreten sind, die bei der Festsetzung des Ziels nicht bekannt waren.

Relative Ziele stehen in Bezug zum Markt

Relative Ziele hingegen sind keine absoluten Werte, sondern stehen in einem Bezug zum Markt. Es sind Vergleichsziele. Beispielsweise: Unsere Eigenkapitalrendite ist x% höher als der Branchendurchschnitt. Dadurch beziehen relative Ziele auch Ereignisse, die die ganze Branche betreffen, mit ein. Wenn wegen einer Naturkatastrophe Rohstoffe plötzlich in geringerem Mass verfügbar sind und die Kosten deswegen beträchtlich steigen, betrifft das die ganze Branche. Jetzt kann ich zeigen, wie ich mit dieser Situation besser umgehe als die Konkurrenz. Ein schönes Beispiel dazu aus Schweden: Der Umsatz von Pommes Chips ging im zweiten Quartal 2002 schlagartig zurück. Der Grund dafür war, dass die Behörde für Lebensmittelsicherheit nachgewiesen hatte, dass Pommes Chips und andere frittierte Snacks Acrylamid, einen krebserregenden Stoff, enthalten. Dadurch waren jetzt alle fixen Umsatzziele hinfällig. Da von dieser Situation alle Hersteller von Pommes Chips gleichermassen betroffen waren, wären relative Ziele weiterhin gültig geblieben.

Relative Ziele unterstützen das Lernen in der Organisation

Relative Ziele helfen den Teams im Unternehmen auch, sich auf einer unternehmerischen Ebene einzuschätzen. Durch den Vergleich mit dem Markt respektive der Branche können sie sich damit auseinandersetzen, warum sie besser oder schlechter sind als der Branchendurchschnitt. Und das schönste an relativen Zielen: sie können für lange Zeit gleich bleiben und müssen nicht jedes Jahr angepasst werden. Dann liegt der Fokus in der Herbstzeit wieder auf dem Wildteller.

Autor

Beat Kunz

Beat Kunz ist Organisations- und Kommunikationsberater. Im Blog berichtet er aus seiner vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

Alle Blogbeiträge dieses Autors

Kommentare(0)

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht. Zwingende Felder sind mit einem * markiert!

zum Seitenanfang