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13.02.2019, Entwicklung von Organisationen

Papierschiffe bauen

Ein Team erfährt in einem Experiment das Push- und das Pull-Prinzip.

Push und Pull

Beim Papierschifffalten das Push- und Pull-Prinzip erleben.

Vor kurzem durfte ich ein Team begleiten, bei dem sich die Führungskraft überlegte, wie sie führen möchte. Ihr Verständnis von Führung lautet: Mitarbeitende ernst nehmen und zuhören. Ihre Informationen und Bedürfnisse aufnehmen und die Entwicklung von Ideen fördern. Aufgrund ihrer Überlegungen entschied sie sich für die Führungslogik «Pull-Prinzip»*. Einerseits aus ihrer Persönlichkeit heraus und andererseits entwickelte sich die gesamte Organisation zunehmend zu einer Netzwerkorganisation. Dazu braucht es Mitarbeitende, die Verantwortung übernehmen, mitgestalten und sich einbringen. Was aber, wenn ein Team nicht gewohnt ist, sich einzubringen?

Ein Team hat immer eine Geschichte

In der Vorabklärung zeigte sich, dass dieses Team aufgrund der Vergangenheit eher push-geprägt ist. Der Wandel zu einem neuen Führungs- und Arbeitsverhalten braucht Zeit und will sorgfältig angegangen werden. Der Führungskraft war es wichtig, dem Team die Absichten und Ziele zu erklären. In einem nächsten Schritt wollten wir der Gruppe die Begriffe Push- und Pull-Prinzip mit einer Übung unmittelbar erlebbar machen. Das ermöglicht oft einen gewaltigen Lerneffekt. Dazu wählte ich die Methode «Schiffe falten».

Schiffe falten im Push-Prinzip

In der Übung geht es darum, als Gruppe in fünf Minuten möglichst viele Papierschiffe zu falten. Dazu sitzen die Teilnehmenden entlang einer Tischreihe und falten Papierschiffe nach einer klaren Anleitung. Jeder Person wird ein Arbeitsschritt zugewiesen. Wenn die Person ihren Arbeitsschritt erledigt hat, führt die Person rechts die Arbeit fort. Die Produktion erfolgt quasi «am Fliessband». Im ersten Durchlauf erfolgt die Arbeit nach Push-Prinzip: jeder Mitarbeitende faltet so schnell er kann und schiebt (push) sein Teilprodukt nach rechts weiter. In der Folge stauen sich die angefangenen Schiffe beim nächsten Arbeitsschritt. Die Stimmung ist am Anfang immer sehr lustig. Doch schnell bereitet sich Hektik aus und jeder arbeitet in einer Art «Röhrenblick» für sich selber, um den angestauten Arbeitsberg abzuarbeiten.

Schiffe falten im Pull-Prinzip

Der zweite Durchlauf erfolgt im Pull-Prinzip. Das heisst: sobald ich meinen Arbeitsschritt abgeschlossen habe, hebe ich die Hände und lasse das angefangene Papierschiff vor mir liegen. Erst wenn der darauffolgende Teilnehmer das Papierschiff zu sich zieht (pull), darf ich mir das Papierschiff vom Vorgänger ziehen und meinen Arbeitsschritt ausführen. Die Hände oben halten signalisiert meinem Nachfolger, wann ich fertig bin. Auch hier gilt es, gemeinsam soviele Schiffe wie möglich zu falten. Die Stimmung hier ist deutlich anders. Zwar arbeiten auch alle sehr konzentriert, doch es ist weniger hektisch und viele Personen betrachten den gesamten Ablauf interessiert.

Reflexion und Anknüpfung in die tägliche Arbeit

In der gemeinsamen Besprechung werden die beiden Varianten auf das Erleben und die Unterscheide reflektiert. Beides (Push und Pull) sind Kräfte, die wir alle kennen und die ihre Berechtigung haben. Im Dialog evaluierten wir Beispiele aus dem privaten und beruflichen Alltag. Hier einige Beispiele:

  • Ein Baby versucht sich zu drehen (pull)
  • Meine Frau erinnert mich daran, dass morgen Altpapiersammlung ist und ich die Zeitung noch bündeln muss (push)
  • Ich möchte eine neue Sprache lernen und melde mich zu einem Sprachkurs an (pull)
  • Als Teammitglied bringe ich eine Anregung an das Teammeeting mit (pull)
  • Als Führungskraft delegiere ich eine Aufgabe und bestimme das Abgabedatum (push)
  • Als Führungskraft lasse ich bei der Delegation den Mitarbeitenden das Abgabedatum bestimmen (pull)

Die Teilnehmenden haben nun die Aufgabe, sich bis zum nächsten Treffen zu beobachten und Pull- und Push-Beispiele aus dem beruflichen Alltag zu sammeln.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Welche Themen pushen sie im Leben und welche Themen ziehen Sie?

*Die betriebswirtschaftlichen Begriffe Push und Pull stammen ursprünglich aus dem Bereich der Logistik und dem Supply Chain Management. Sie beschreiben die Kräfte innerhalb des Wertestroms und/oder der Prozesskette (Lean Management). Das Push-Prinzip (drückendes oder stossendes Prinzip) und das Pull-Prinzip (ziehendes Prinzip) hat sich inzwischen auch in anderen Fachbereichen (zum Beispiel Marketing) und als neue Führungslogik etabliert. Beim Push-Prinzip gibt die Führungskraft vor, was bis wann erledigt sein muss. Beim Pull-Prinzip liegt diese Entscheidung (und die damit einhergehende Verantwortung) beim Mitarbeitenden. In einer Arbeitswelt des konstanten Wandelns und hoher Komplexität zeigt sich, dass das Pull-Führungsverständnis robuster und flexibler ist gegenüber klassischer, zentraler Push-Steuerung.

Autor

Luzia Anliker

Luzia Anliker ist Beraterin und Coach. Im Blog berichtet sie aus ihrer langjährigen und vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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