07.07.2021

Kollegiale Beratung in einer Weiterbildung

Wer gut beraten will ist gut beraten, sich zu beraten.

Kollegiale Beratung

Kollegiale Beratung findet zwischen gleichberechtigten Fachpersonen statt.

Veränderungen in der Arbeits- und Wirtschaftswelt gibt es nicht erst seit Corona. Sie erfolgen, weil sich Komplexität immer weniger aus der Wertschöpfung ausklammern lässt. Voraussagen, Planung und Strategien werden immer unmöglicher. Organisationen werden ratlos, wenn sie nicht mehr auf bewährte Mittel zurückgreifen können. Bei Ratlosigkeit steigt die Nachfrage nach Beratung. Das gilt im Besonderen für Kommunikationsberatung. Die Bedeutung der Kommunikation im Organisationskontext steigt, weil es viele Fragen gibt und die Erklärungen für Veränderungen vielschichtiger werden. Das erleben auch die Kommunikationsberaterinnen und -berater, die den CAS Kommunikationsberatung an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW besuchen. Im Rahmen dieses Kurses durfte ich einen Tag zum Thema «Partizipative Lernformate» gestalten. Davon handelt dieser Blogbeitrag.

Nicht auf Vorrat lernen

Lernen und Weiterbildung sind an und für sich nichts Neues. Organisationen haben schon immer Mitarbeitende unterstützt, Kurse und Weiterbildungslehrgänge zu besuchen. Mit der zunehmenden Dynamik und Unsicherheit ändert sich allerdings die Art des Lernens im Arbeitskontext grundlegend. Lernen geht weg vom «Lernen auf Vorrat» und orientiert sich zunehmend am individuellen spezifischen Bedarf der Mitarbeiter und deren Arbeitsaufgaben. Zeitnahe und individualisierte Lernformate machen es möglich, dass Mitarbeitende mit einem spezifischen Lernbedarf genau das lernen, was sie zu diesem Zeitpunkt benötigen (und nicht erst in einem Jahr, wenn der nächste Kurs zu diesem Thema startet). Dies entspricht dem modernen Ansatz des «Learning on demand» oder kollaborativen respektive partizipativen Lernformen. Das kollaborative Lernen und der stete Austausch mit anderen bieten zudem die Möglichkeit, sich gegenseitig zu unterstützen und somit gemeinsam eine Problemlösung sowie neue Inhalte zu generieren und zu produzieren. Ausserdem tragen diese Lernformen dem Umstand Rechnung, dass Lernen immer selbstbestimmt und freiwillig ist und weder verordnet, noch erzwungen werden kann.

Kollegiale Beratung im Fokus

Am Kurstag im CAS Kommunikationsberatung schauen wir fünf Lernformate an:

Von allen Formaten hat die «Kollegiale Beratung» einen besonderen Stellenwert in diesem Zusammenhang. Voraussetzungen dafür sind Fähigkeiten des aktiven Zuhörens, offene Kommunikation, gezieltes Nachfragen, aber auch das Ansprechen von Problemen und Unstimmigkeiten. Voraussetzungen also, die Kommunikationsberaterinnen und -berater «von Haus aus» mitbringen. Daher ist es naheliegend, auf dieses Format genauer einzugehen.

Reflexion unter Fachpersonen

Kollegiale Beratung (oder Intervision) findet zwischen gleichberechtigten Fachpersonen statt, die ihre berufliche Arbeit reflektieren wollen. Das ist in einer Weiterbildung für Kommunikationsberaterinnen und -berater gegeben – alle Kursteilnehmenden sind Expertinnen und Experten des gleichen Fachs. Da alle in unterschiedlichen Organisationen tätig sind, gibt es auch keinerlei Abhängigkeiten und es bestehen keinerlei (versteckte) interessensgebundene Absichten über mögliche Ergebnisse. Ideale Voraussetzungen also für kollegiale Beratung.

Unmittelbare Anwendung

Da wir im Kurs kollegiale Beratung nicht nur theoretisch besprechen, sondern praktisch durchführen, braucht es Anliegen aus dem Arbeitserleben der Kursteilnehmenden. Was mich jeweils sehr freut, ist, wie neugierig und offen die Studierenden sind. Sie bringen ihre Situationen aus ihrem Berufsleben ein, ohne zu wissen, wie das genau abläuft. Dafür werden sie auch mit hilfreichen Einsichten und Erkenntnissen belohnt. «Die Intervisionen haben wir sehr gut gefallen und waren ein spannendes Erlebnis. Ich konnte ein Anliegen klären», meldet ein Teilnehmer im Anschluss. Mehrfach vernahm ich auch die Aussage, wie verblüfft die Teilnehmenden sind, wie rasch eine Intervisionsgruppe den Kern des Problems herausschälen kann und adäquate, hilfreiche Lösungsvorschläge entwickelt.

Instrument der Qualitätssicherung

Intervision trägt wesentlich zur Qualitätssicherung bei. Die kollegiale Beratung erhöht die Professionalität, stärkt das persönliche Handeln und Wachstum, hilft bei der Gestaltung von Kontakten und Beziehungen zu anderen und unterstützt bei der Klärung der eigenen situativen Rolle. Im Kobenet, dem Netzwerk für Beraterinnen und Berater der Kommunikationsbranche, praktizieren wir kollegiale Beratung regelmässig. Kommunikationsberatende allen Alters, in unterschiedlichen Funktionen und aus allen Branchen sind herzlich willkommen. Weitere Informationen unter www.kobenet.ch.

Autor

Beat Kunz

Beat Kunz ist Organisations- und Kommunikationsberater. Im Blog berichtet er aus seiner vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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