27.06.2018, Interkulturelle Entwicklung

Interkulturelle Kompetenz hat viel mit Reflexion zu tun

Führungskräfte setzen sich in einem Seminar mit sich selber auseinander.

Es gibt nicht nur eine Betrachtungsweise auf die Welt.

Kürzlich – in einem interkulturellen Seminar für Führungskräfte – gab es einen spannenden Moment. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren erstaunt, in der Agenda so viele Themen der Selbstreflexion zu entdecken. Warum das Lernen und Reflektieren über sich selber bei einer Auseinandersetzung mit interkultureller Kompetenz wichtig ist, handelt dieser Blog.

Damit ich andere besser verstehe, muss ich mich selber kennen

Damit ich andere verstehe, muss ich mir zuerst meiner eigenen kulturellen Prägungen bewusst sein (siehe Blogbeitrag zum Eisbergmodell). Das erreiche ich durch das Nachdenken über mich selber. Da uns unsere eigenen kulturellen Prägungen oft nicht bewusst sind, helfen gezielte Übungen. Eine Übung, die auch in Workshops und in Seminaren gut ankommt, ist die Werteübung. Sie geht so:

  • Schreibe fünf Werte auf, die für dich in der Führung absolut wichtig sind.
  • Notiere dir drei Werte, die für dich ein No-Go sind.
  • Tausche dich mit zwei Teilnehmenden über eure Werte aus.

Den gemeinsamen Austausch in der Runde erleben die Teilnehmenden immer wieder als sehr bereichernd.

Und wie «tickst» du?

Um erfolgreich in der globalen Komplexität agieren und Vielfalt als Vorteil nutzen zu können, müssen wir fähig sein, auszudrücken, wie wir «ticken». Nebst dieser Selbsterkenntnis müssen wir auch erforschen «Und wie tickst du?». Mit Erforschen verstehe ich die aufrichtige Neugierde am Gegenüber und der Offenheit, dass es mehrere richtige «Tickweisen» gibt. Erst wenn wir beide «Tickarten» als gleichwertig betrachten, können wir uns den Fragen der Zusammenarbeit zuwenden. Diese sind:

  • Wo haben wir Gemeinsamkeiten?
  • Wo bestehen Unterschiede?
  • Was bedeutet das für unsere gegenseitigen Erwartungen an die Zusammenarbeit?
  • Bedeutet mein «no Problem» bei meinem Gegenüber dasselbe «no Problem»?
  • Verstehen wir unter Effizienz und gutem Zeitmanagement das Gleiche?

Wenn wir unterschiedliche Sicht- und Handlungsweisen erkennen und akzeptieren, können wir uns auf gemeinsame Ziele ausrichten – und dabei das Potential der Diversität nutzen. Das versteht crearium unter interkultureller Kompetenz.

Wie trainiere ich die interkulturelle Kompetenz im Alltag?

Erste Schritte sind Momente der Selbstreflexion:

  • Wie nehme ich erlebte Handlungsweisen und Begebenheiten wahr?
  • Wie wirken sie auf mich?
  • Wie interpretiere ich diese Handlung oder Begebenheit?
  • Und was könnte es auch noch sein?
  • Gibt es sogar noch weitere Interpretationsmöglichkeiten und wie könnten diese aussehen?

Der zweite Schritt ist das Überprüfen der Interpretation. Voraussetzung für die gemeinsame Ausrichtung ist, den Dialog zu suchen und beide Bedeutungsvarianten als akzeptable Möglichkeiten zu sehen. Für diesen Dialog und Austausch kann ich eine neugierige Haltung und eine Akzeptanz gegenüber anderen nicht genug üben.

Und wie war das Feedback der Teilnehmenden nach dem Seminar?

«Ich habe heute sehr viel über mich selber gelernt und von dem Perspektivenwechsel sehr profitiert!»

«Mir war bis jetzt nicht klar, wie fest ich alles aus meiner Sicht bewerte.»

«Mir ist klar geworden, dass wir in der Teamsitzung mehr Zeit für Austausch brauchen.»

 

 

Autor

Luzia Anliker

Luzia Anliker ist Beraterin und Coach. Im Blog berichtet sie aus ihrer langjährigen und vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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