08.07.2020

Gruppe oder Team? Was ist eigentlich der Unterschied?

Eine Frage, die in einem Workshop zum Thema Zusammenarbeit aufgetaucht ist.

Team

Die Unterscheidung zwischen Team und Gruppe ist wichtig, um den Rahmen der Zusammenarbeit festzulegen.

Aufgrund einer Zusammenführung von mehreren Fachpersonen befasste sich eine Führungsperson mit dem Thema Teambildung. Da die Fachleute alle im gleichen Tätigkeitsfeld, aber geografisch eher weit auseinander arbeiten, lud die Führungsperson zu einem zweitägigen Workshop ein. Darin ging es unteranderem darum, das gemeinsame Bild der Zusammenarbeit zu entwickeln. Dabei tauchte die Frage auf: Sind wir eigentlich ein Team oder eine Gruppe? Da dies ein Unterschied ist und auch Auswirkungen auf den Rahmen und die Zusammenarbeit hat, beschäftigt sich dieser Blogbeitrag mit dieser Unterscheidung.

Was ist eine Gruppe?

Eine Gruppe bilden zwei und mehr Menschen, die mindestens eine Eigenschaft, ein Interesse oder ein Attribut teilen, aufgrund dessen sie als Gruppe zusammengefasst werden können. Zum Beispiel: das Interesse an Austausch oder das Ausführen der gleichen Tätigkeit (z.B. Motorradmechaniker in einer Werkstatt). Gruppen haben Normen, die das erwartete Verhalten beschreiben und regulieren. Dadurch grenzt sich die Gruppe nach aussen ab und es ist ersichtlich, wer dazu gehört und wer nicht. Gruppen entwickeln eine gemeinsame Identität und auch eine gewisse Zugehörigkeit. Die Mitglieder können unterschiedliche Rollen und Funktionen innerhalb der Gruppe einnehmen. Zum Bespiel kümmert sich jemand eher um die konkrete Aufgabe, jemand anderes vertritt die Gruppe nach aussen. In neueren Fachbüchern wird der Begriff Gruppe häufig mit Kollektiv ersetzt. Kennzeichnend ist in der Gruppe oder im Kollektiv, dass die Personen nicht aufeinander angewiesen sind. Sie können ihre Aufgabe grösstenteils selbständig erledigen. In erster Linie geht es darum, dass sich jemand aus der Gruppe einer Aufgabe annimmt. Die individuellen Stärken der Gruppenmitglieder für die Zusammenarbeit sind zweitrangig. Bei Gruppen zeigt es sich sehr häufig, dass Leitungspersonen von Kollektiven oder Gruppen zwar für den Erfolg verantwortlich sind, bei einem Misserfolg geht die Verantwortung dann oft an einzelne Mitglieder über.

Die Definition von Team

Teams sind eine Form von Gruppen, haben aber weitere Merkmale, mit denen sie sich spezifizieren. Der Hauptfaktor ist, dass ein Team ein gemeinsames Ziel – nämlich das gemeinsame Lösen einer Aufgabe – hat. Dazu braucht es verschiedene Disziplinen und Fähigkeiten. Ein Team ist immer interdisziplinär zusammengesetzt. Die Teammitglieder sind wechselseitig voneinander abhängig und gemeinsam verantwortlich für das Erreichen spezifischer Ziele für ihre Organisation. Sie können das Ziel nur erreichen, in dem sie kollaborieren und ihre jeweiligen Stärken und unterschiedlichen Disziplinen einbringen. Es reicht nicht, dass jeder unabhängig vom anderen oder nacheinander seinen Beitrag leistet. Ist die Aufgabe erledigt, löst sich das Team auf. Verändert sich die Aufgabe, ändert sich die Teamzusammensetzung, weil es jetzt andere Disziplinen oder Fähigkeiten braucht. Natürlich erledigen auch Gruppen Aufgaben, aber der Fokus liegt dabei mehr auf den Mitgliedern und deren Einzelaufgaben als auf dem gemeinsamen Arbeiten. Hat eine Gruppe ein Ziel erreicht, sucht sich die Gruppe ein neues Ziel. Sie wechselt dann selten die Mitglieder aus oder löst sich auf.

Die Einzelbeiträge wirken sich auf das Teamergebnis aus

Ein weiteres Merkmal im Team ist die Leistung. Alle Leistungen haben Auswirkungen auf das Teamergebnis und alle Mitglieder des Teams spüren die Auswirkungen davon. Häufig ist es bei Teams am Schluss gar nicht mehr möglich, festzustellen, wer welchen Beitrag zur Lösung geleistet hat. Es ist eben eine Teamleistung. Dadurch gebühren Erfolge dem ganzen Team. Aber auch Fehler und Kritik fallen auf das gesamte Team zurück und nicht nur auf einzelne Kollegen oder Kolleginnen. Das birgt einerseits Zündstoff für Konflikte, aber eben auch die Chance auf gegenseitige Unterstützung und Motivation.

Rollenverteilung und Heterogenität

Eine Spezifikation in Teams sind die klaren Rollenverteilungen und die bewusste Zusammensetzung nach Kompetenzen je nach zu leistender Aufgabe. Ein Team sollte heterogen zusammengesetzt werden, damit ein möglichst grosses Spektrum an Ressourcen zur Verfügung steht. Erst durch die Verbindung der Kompetenzen ist es möglich, die gemeinsame Aufgabe zu erledigen. Der Umgang mit Vielfalt braucht klare Rollenbeschreibungen und eine gewisse soziale Dichte, damit Spannungen gut geklärt werden können. Die ideale Grösse eines Teams ist eine übersichtliche Anzahl von acht bis zehn Personen. Um gemeinsam etwas zu erreichen, braucht ein Team einen transparenten und gut funktionierenden Kommunikationsfluss. Wenn jede Person weiss, mit welchem Thema sich die einzelnen Teammitglieder befassen, wo es Herausforderungen gibt und wo Unterstützung benötigt wird, ist ein Team fähig, Entscheidungen zu fällen und gemeinsam Verantwortung zu tragen.

Das Fazit dazu

In Unternehmen sind häufig Mischformen vorzufinden oder Vorformen von Teams. Denn einige Aufgaben, gerade im administrativen Bereich, eigenen sich nicht zur Arbeit in Teams. Dennoch gibt es ein gemeinsames Ziel des Unternehmens und eine klare Rollenverteilung. Auch die Auswirkungen des Handelns einzelner Mitglieder haben Folgen für die ganze Gruppe oder das ganze Team.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Wort Team oft auch für Gruppen verwendet. Zu wissen, ob man zusammen mit den Kollegen und Kolleginnen eine Gruppe oder ein Team bildet, hilft zu verstehen, wie gross die Schnittmenge der Verbindlichkeit, der Abmachungen und der sozialen Interaktion ist. Diese Unterscheidung half den eingangs erwähnten Fachleuten sehr. Sie erkannten, dass sie nicht ein Team bilden mussten, sondern dass es darum geht, eine gut funktionierende Gruppe zu schaffen, um so wirksam zu sein.

Autor

Luzia Anliker

Luzia Anliker ist Beraterin und Coach. Im Blog berichtet sie aus ihrer langjährigen und vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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