10.03.2021

Entwicklungspfade anders gestalten

Eine Organisation hat ein Problem, Talente zu halten und ist bereit, es anzugehen.

Karriereperspektiven

Karriere muss nicht nur gleichbedeutend mit hierarchischem Aufstieg sein.

Die Geschäftsleitung eines Ingenieurbüros mit rund 200 Menschen kennt eine ihrer Herausforderungen sehr gut. In der Organisation arbeiten viele hervorragende Fachkräfte, aber dem Unternehmen gelingt es zu wenig, ihnen allen einen angemessenen Entwicklungspfad zu ermöglichen. «Wir können unseren besten Mitarbeitenden einfach nicht genügend Perspektiven aufzeigen, denn wir brauchen schlichtweg nicht so viele Führungskräfte», erklärte der CEO. Ist diese Form der Karriere die einzig mögliche? Und welche Gedanken stecken dahinter? Diesen Fragen geht dieser Blogbeitrag nach.

Bis jetzt ist Karriere in Organisationen meistens mit hierarchischem Aufstieg verbunden

Das Problem beschäftigt die unterschiedlichsten Organisationen schon lange. Karriere ist gleichbedeutend mit dem Aufstieg in der Hierarchie. Eine höhere Position in der Hierarchie ist mit mehr Einfluss, mehr Macht, mehr Verantwortung, mehr Lohn und mehr Prestige verbunden. Diese Ansicht ist weitverbreitet und wird auch so honoriert. Sie beruht auf dem tayloristischen Modell der Trennung zwischen Denken und Ausführen. Doch neben der Hierarchie (oder formellen Struktur) gibt es noch zwei weitere Strukturen in Organisationen: die soziale (oder informelle) Struktur und die Wertschöpfungsstruktur. Auch in diesen beiden Strukturen gibt es Führung. In der informellen Struktur durch Einfluss und in der Wertschöpfungsstruktur durch Reputation. Doch diese Formen der Führung werden weder als Entwicklungspfad honoriert, noch abgebildet, noch anerkannt. Das muss nicht sein, denn Organisationen gestalten ihre Art der Führung selber. So lange Karrierepfade über Hierarchie gelöst werden, führen der Markt und der Fachkräftemangel zu Abwerbung und Abgängen, die nicht nötig wären.

Entwicklungspfade gestalten

Genau in dieser Situation steckt das Ingenieurbüro. Die Geschäftsleitung hat realisiert, dass viele Talente das Unternehmen verlassen, weil die (hierarchischen) Karrierepositionen bereits besetzt sind. Dabei geht es gerade Ingenieuren oftmals nicht darum, eine möglichst hohe Position in der Hierarchie zu besetzen. Sie finden es häufig spannender, sich in ihrer Fachlichkeit weiterzuentwickeln und ihre Reputation zu stärken. Die Anerkennung (und Honorierung) der Reputation ist aber nur möglich, wenn sich eine Organisation der drei Strukturen bewusst ist. Nur wenn ich weiss, dass es Führung in allen drei Strukturen gibt, kann ich mir auch vorstellen, dass eine Karriere auch ausserhalb der formellen Struktur möglich ist. Dafür braucht es anders gestaltete Entwicklungspfade. Neue Organisationsformen gehen da neue Wege.

Und wie sieht es in Ihrer Organisation aus? In welcher Struktur findet Karriere bei Ihnen statt? Und wie sieht Ihre persönliche Vorstellung von Karriere aus? Wie sehen Karrierepfade in der informellen Struktur Ihrer Organisation aus? Wie in der Wertschöpfungsstruktur? Wie werden in Ihrer Organisation ein hoher Einfluss und eine hohe Reputation anerkannt, honoriert und mit dem entsprechenden Prestige verbunden?

Autor

Beat Kunz

Beat Kunz ist Organisations- und Kommunikationsberater. Im Blog berichtet er aus seiner vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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