16.05.2018, Entwicklung von Individuen

Im Job «Nein» sagen ist nicht immer einfach

Wie sich eine junge Frau für ihre neue Funktion stärkte und ihre passende Wortwahl fand.

Es fällt uns unterschiedlich schwer, Nein zu sagen.

Im Coaching besprechen wir berufliche Anliegen. Häufig geht es dabei um die eigenen Erwartungen, die einem ganz schön beschäftigen können. Insbesondere bei einer neuen Funktion oder bei einem Jobwechsel. Denn die neue Rolle will noch gefunden werden und es ist nicht immer leicht zu entscheiden, was welche Priorität hat. Und schliesslich wollen wir das Beste geben! Dafür hilft es, auch mal «Nein» sagen zu können, ohne jemanden zu enttäuschen oder als Eigenbrötler/Minderleister/Kooperationsverweigerer/Low-Performer zu wirken. Gerade kürzlich habe ich mit einer engagierten, jungen Frau über dieses Thema gesprochen. Da diese Aspekte in Coachings immer wieder auftauchen, beleuchtet dieser Blogbeitrag das Thema.

Eigene Verführbarkeiten kennen

Wir alle haben verschiedene Tendenzen und es fällt uns unterschiedlich schwer, «Nein» zu sagen. Viele von uns weisen eine gewisse Verführbarkeit auf, die sie daran hindert, «Nein» zu sagen. Zum Beispiel, weil wir es allen Recht machen wollen oder weil wir ein starkes helfendes Bedürfnis haben. Die Bildung dieser Ausrichtungen sind mannigfaltig und durch unsere Persönlichkeit und Sozialisation geprägt. Die junge Frau war der Meinung, sie müsse sich sofort beweisen. Im Coaching reflektierten wir, dass sie ihre Verführbarkeit in der neuen Führungsfunktion sehr stark fordern könnte. Das Besprechen von möglichen Beispielen nahm ihr die Schärfe der Risiken. In unserer Vorstellung ist das hineininterpretierte Verhalten meines Gegenübers oft viel lebhafter als die tatsächliche Reaktion auf ein Nein.

Bei einer Anfrage nicht sofort im Reflex reagieren

Wenn wir das Bewusstsein für unsere Verführbarkeit geschaffen haben, geht es an den nächsten Schritt. Dazu müssen wir neue Verhaltensweisen erlernen und das braucht Entwicklungszeit. Darum sollten wir keine Anfrage oder Aufgaben im Reflex und sofort an- und übernehmen. Bedingen Sie sich Zeit aus, um den Zeitplan zu prüfen, sich selber zu reflektieren oder mit Ihrer Führungskraft die Priorität zu besprechen. Teilen Sie dem Gesprächspartner mit, bis wann er oder sie mit einer verlässlichen Antwort rechnen kann. Die Zwischenzeit können Sie nutzen, um die Vor- und Nachteile für sich laut auszusprechen, Ihre Verführbarkeiten abzuchecken und die geeignete Wortwahl zu finden.

Die Wortwahl macht einen Unterschied beim «Nein»

Wenn Sie die Anfrage ablehnen, hilft eine Begründung, Ihre Absage zu verstehen. Von aussen ist es manchmal nicht ersichtlich, dass die Arbeitslast gerade sehr hoch ist, das Budget aufgebraucht ist oder die Ressourcen bereits belegt oder ausgeschöpft sind. Die Antwort ist auch leichter verdaulich, wenn man das «Nein» in ein positives Umfeld setzt: «Ich hätte dich gerne unterstützt, habe aber bereits andere Verpflichtungen/Aufgaben, die ich zugesagt habe.» Dadurch wird deutlich, dass Sie Wert darauf legen, einmal eingegangene Verpflichtungen und Zusagen ernst zu nehmen. Eine weitere Möglichkeit für ein positives Umfeld ist, die Zusammenarbeit zu betonen: «Die Einladung kann ich leider nicht annehmen, aber ich freue mich auf weitere Angebote von dir.» Oder: «Ich freue mich auf eine nächste Gelegenheit, mir dir zusammen zu arbeiten.». Damit signalisieren Sie zwar ein Nein zur Aufgabe, aber ein Ja zum Menschen.

Von anderen lernen

Um ihre Ansätze abzugleichen hat sich die junge Frau in einer Explorationsphase im Büro umgehört. Sie hörte bei anderen Führungskräften genau hin, welche Worte sie beim Absagen benutzten und sammelte die Sätze in einem Büchlein. Ebenfalls war es ihre Aufgabe, die Reaktion bei der anderen Person genau zu beobachten und zu notieren. Im letzten Coaching werteten wir dann die Daten aus. Die junge Frau war über ihre Beute ganz glücklich und es gelang ihr, erste Absagen anhand der Beispiele für sie passend zu platzieren.

Welche Standartworte benutzen Sie? Welche Beispiele, die Sie beeindrucken, hören Sie von Ihren Kollegen und Kolleginnen? Lassen Sie uns doch gemeinsam voneinander lernen und Sätze austauschen.

Autor

Luzia Anliker

Luzia Anliker ist Beraterin und Coach. Im Blog berichtet sie aus ihrer langjährigen und vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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