15.08.2018, Entwicklung von Individuen

Eigene Anteile in Geschehnissen erkennen

Durch Reflexion und Aussensicht Lernchancen aktiv nutzen.

Das eigene Verhalten zu reflektieren führt zu neuen Erkenntnissen.

In aller Regel verhalten wir uns im beruflichen Umfeld so, wie wir sind. Mit allen Ecken, Kanten, Stärken und Kompetenzen. Das ist gut so und unsere Konzentration richtet sich auf die Aufgabenerledigung. Nun kann sich etwas Unerwartetes, beispielsweise ein äusserst schwieriges Gespräch mit dem Vorgesetzten oder ein heftiger Zusammenstoss mit einem Kollegen, ereignen und wir werden aus unserer Komfortzone gerissen. Nach der anfänglichen Aufregung lässt sich die schwierige Situation lösen. Vielleicht denken wir noch, der andere reagierte jetzt aber seltsam. Normalität kehrt wieder ein und wir wenden uns wieder der Arbeit zu.

Eine Weile vergeht und es ereignet sich die nächste herausfordernde Situation. Nicht mit der gleichen Person, aber mit ähnlichen Parametern. Jetzt ist ein guter Moment, um nachzudenken. Warum passiert mir das jetzt schon wieder? Hat das sogar etwas mit mir zu tun? Welchen Anteil habe ich daran?

Welches Verhalten von mir löst diese Reaktion aus?

Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten: entweder schaue ich genauer hin und lerne etwas über mich oder ich arbeite und verhalte mich einfach wie bisher. Falls ich die Selbstreflexion wähle, nutze ich eine Chance, mich zu entwickeln. Warum? Zuerst geht es nämlich nicht darum, was die anderen machen, sondern um mein eigenes Tun und die daraus entstehende Wirkung. Welches Verhalten habe ich wiederholt gezeigt? Welches Verhalten könnte zur Situation beigetragen haben? Das zu erkennen braucht einiges an Denkarbeit. Allenfalls hilft mir da eine Aussensicht, um klare Muster zu erkennen.

Wie kommt mein Verhalten bei den anderen an?

Der nächste Schritt ist nun zu verstehen, wie mein Verhalten ankommt. Wir alle wissen, warum wir etwas tun – aber meine Motive sind für die anderen nicht immer so verständlich. Wir überlegen uns ja auch nicht dauernd, wie wir wirken. Der nächste Schritt ist daher der Perspektivenwechsel:

  • Wie hat mein Verhalten auf mein Gegenüber gewirkt?
  • Wie könnte meine Verhalten auch noch interpretiert werden?
  • Und welche andere Möglichkeit gibt es auch noch?

Bereits diese Reflexion löst häufig Erkenntnisse aus, warum mein Gegenüber in der Vergangenheit so reagiert hat. Reaktionen werden auf einmal nachvollziehbarer. Oft höre ich im Coaching dann Sätze wie «Ups – das war mir nicht bewusst!».

Proaktives Ansprechen der Interpretation oder Verhaltensänderung

Anschliessend gilt es, die Erkenntnisse umzusetzen. Zum Beispiel kann es helfen, wenn ich mir in den nächsten ähnlichen Situationen einen oder mehrere der nachfolgenden Punkte vornehme:

  • Ich bin mir meines Verhaltens und den möglichen Interpretationen bewusst
  • Ich achte auf die Reaktionen meines Gegenübers und erhalte Hinweise auf die mögliche Interpretation
  • Ich merke mir die Wiederholungen von möglichen Interpretationen
  • Ich spreche bereits im Vorfeld die mögliche Interpretation direkt an: «In der Vergangenheit habe ich verschiedentlich festgestellt, dass mein Verhalten X meine Gesprächspartner irritiert hat. Das ist nicht meine Absicht. Mein Verhalten X bedeutet das und das [konkrete Absicht angeben].» So deklariere ich meine Motive hinter meinem Verhalten deutlicher und klarer und entspanne dadurch die Situation
  • Ich hole nach der Handlung von meinem Gegenüber aktiv ein Feedback ab, zum Beispiel mit der Frage «Wie ist meine Botschaft/mein Verhalten bei dir angekommen?»

Oft wirken diese Vorgehensweisen Wunder in der Beziehungsgestaltung.

Falls sich nichts ändert, ist es Zeit zu überlegen, ob eine eigene Verhaltensänderung angebracht ist. Wie muss ich handeln, damit sich die Zusammenarbeit weiterhin konstruktiv für mich auswirkt? Im Grunde wollen wir alle erfolgreich unterwegs sein: erfolgreich in der Gestaltung von menschlichen Beziehungen und erfolgreich in der Aufgabenerledigung. Der eigene Beitrag dazu ist am wichtigsten.

Autor

Luzia Anliker

Luzia Anliker ist Beraterin und Coach. Im Blog berichtet sie aus ihrer langjährigen und vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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