23.01.2019, Entwicklung von Individuen

Coaching ist ein Lern- und Entwicklungsgefäss

Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen Lernen und Entwicklung?

Lernen oder Entwicklung

Coaching kann Lern- oder Entwicklungsgefäss sein.

Gerade letzte Woche durfte ich wieder einmal einer mir unbekannten Person meine Berufstätigkeit erklären. Dabei stellte sie mir die spannende Frage, was eigentlich der Unterschied zwischen Lernen und Entwicklung sei. Für mich als Coach und Beraterin ist der Unterschied enorm wichtig. Denn nicht nur im Coaching, sondern generell in der Beratung, ist es meine Aufgabe, beide Formen anzuregen. Natürlich zum richtigen Anliegen und zum passenden Moment.

Lernen – Single Loop Learning

Menschen lernen und das bis ins hohe Alter, vielleicht sogar täglich. Wir lernen, wenn wir mehr von etwas in uns aufnehmen. Oder anders ausgedrückt: wir lernen, wenn wir unser bestehendes «System» wie Wissen, Können, Denken usw. mit weiteren Inhalten anreichern. Das kann zum Beispiel sein: Englischvokabeln lernen und so den Wortschatz erweitern. Oder ein aktuelles Problem mit vorhandenen Ressourcen lösen. Single Loop Learning oder eben Lernen bedeutet, dass man seine gewohnten Denk- und Handlungslogik zur Lösung von Problemen nutzt. Nicht immer sind einem die eigenen Ressourcen bewusst. Deshalb geht es im Coaching manchmal darum, die Ressourcen gemeinsam zu entdecken und ein Bewusstsein darüber zu entwickeln.

Entwicklung – Double Loop Learning

Persönliche Veränderung ist ohne Entwicklung meist gar nicht möglich. Man steht sich im Weg, dreht sich im Kreis, denkt, versucht, aber kommt nicht weiter. Das heisst, es dreht sich um eine Fragegestellung oder um ein schwieriges Problem, das mit den vorhandenen Ressourcen nicht wirksam lösbar ist. Dann ist es Zeit für einen Entwicklungsschritt, auch Douple Loop Learning genannt. Wir suchen ein neues Denkmuster, neue mentale Modelle und/oder neue Sichtweisen. Dieser Gedankensprung, auch kognitive Dissonanz genannt, erfolgt durch Konfrontation. Eine Konfrontation ist eine tiefere emotionale Auseinandersetzung. Etwas, das Gefühle auslöst – meist widersprüchliche – und ist häufig sogar schmerzhaft. Dieser Sprung ist immer emotional, er erschüttert oder berührt – aber er ist sehr wirksam. Die kognitive Dissonanz entsteht durch die Widersprüchlichkeit und dem Shift zwischen dem neuem und dem alten Denkmodell. Und dies gilt es zuerst einmal zu verdauen und setzen zu lassen. Oft berichten mir Kunden in einer nächsten Sitzung Sätze wie: «Es ist mir wie Schuppen von den Augen gefallen.» oder «Ich stellte fest, dass es wirklich richtig ist.»

Unsere Rolle als Coach

Als Coach ist es wichtig, einzuschätzen, wann ich zum Lernen und wann ich zur Entwicklung beitrage. Dem Anliegen entsprechend passe ich meine Methoden und Interventionen an. Wichtig ist es mir– gerade beim Entwicklungsschritt – auch, dem Kunden einen Raum zu bieten, in dem dieser Gedankensprung möglich ist. Dafür braucht es aus meiner Sicht eine Begleitung auf Augenhöhe, ein gutes Bauchgefühl auf der Sympathieebene und Sicherheit, erzeugt durch fachlich kompetente Begleitung. Mein Ziel ist es, ein Gefühl von anregender Geborgenheit zu vermitteln, so dass meine Kunden ihre Lösung finden.

Autor

Luzia Anliker

Luzia Anliker ist Beraterin und Coach. Im Blog berichtet sie aus ihrer langjährigen und vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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