17.02.2021

Die drei Strukturen in Organisationen

Wenn ich am System arbeiten will hilft es, zu verstehen, wie sich die drei Strukturen zeigen.

Strukturen

Jede Organisation hat drei Strukturen.

Ein Leitungsgremium hat erkannt, dass es notwendig ist, als Organisation flexibler zu werden und ist bereit, am Organisationssystem zu arbeiten. In einer sogenannten Denkwerkstatt setzt sich die Leitung mit grundlegenden Organisationsthemen auseinander, die für die Transformation wichtig sind und im operativen Alltag zu kurz kommen. Wie zum Beispiel die drei verschiedenen Strukturen in Organisationen.

Die drei Strukturen in Organisationen

Jede Organisation setzt sich aus drei verschiedenen Strukturen zusammen. Die hierarchische oder formelle Struktur ist eine davon. Sie ist (von Gesetzes wegen) dafür zuständig, die Rechtmässigkeit der Aktivitäten einer Organisation sicherzustellen. Neudeutsch heisst das «Compliance».

Die zweite Struktur in Organisationen ist die informelle oder soziale Struktur. Jeder Mensch in einer Organisation hat persönliche, soziale Beziehungen zu anderen Menschen in der Organisation. Nicht zu allen Menschen, aber zu vielen. Diese Beziehungen sind nicht nur geschäftlich.

Die dritte Struktur einer Organisation ist die Wertschöpfungsstruktur. In dieser (und nur dieser) Struktur entsteht Wertschöpfung und Leistung. Hier tauchen Probleme auf, die sich aufgrund der Marktdynamik ergeben (Kundenbedürfnisse verschieben sich, der Wettbewerb intensiviert sich, die Qualität der Leistungen der Lieferanten ändert sich). Durch Zusammenarbeit entstehen hier Lösungen für diese Probleme.

Abbildung der drei Strukturen

In den allermeisten Organisationen wird nur die formelle Struktur beachtet und dargestellt – in der Regel als (starres) Organigramm, das die Hierarchie abbildet. Die soziale Struktur und die Wertschöpfungsstruktur werden in der Regel nicht sichtbar gemacht – sie bleiben im Verborgenen. Das hat vor allem zwei Gründe: es ist schwierig, dynamische, sich laufend verändernde Strukturen abzubilden. Und das Taylor-Modell, nach dem die allermeisten Unternehmen organisiert sind, hat wenig Interesse/Bedarf, die informelle Struktur und die Wertschöpfungsstruktur stärker zu gewichten. Deshalb sind sich die meisten Menschen in einer Organisation nicht bewusst, dass es neben der formellen Struktur noch zwei weitere, für Leistung und Zusammenarbeit unverzichtbare Strukturen gibt. Dabei sind alle drei Strukturen unvermeidlich miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig.

Zwei kleine Zwischenübungen:

  • Zeichnen Sie – von sich ausgehend – ein Soziogramm: mit wem stehe ich in meiner Organisation in einer sozialen Beziehung? Und mit wem stehen diese Personen in einer sozialen Beziehung?
  • Zeichnen Sie die Wertschöpfungsstruktur auf, in der Sie eine Rolle innehaben: welche Rollen sind involviert? Mit welchen Rollen arbeite ich wie zusammen?

In allen drei Strukturen gibt es Führung

Führung wird meistens als Weisungsbefugnis und top-down-Entscheide verstanden. Diese Führung entstammt der formellen Struktur. Es gibt jedoch auch in den anderen zwei Strukturen Führung. In der informellen oder sozialen Struktur nennt man Führung «Einfluss», in der Wertschöpfungsstruktur «Reputation». Ein grosses Problem klassischer Organisationen ist die Überbetonung der formellen Struktur. Sie hat häufig zu viel Macht und mischt sich in Domänen ein, die der informellen Struktur oder der Wertschöpfungsstruktur vorbehalten wären.

Sind die drei Strukturen ausbalanciert, ist die Wirksamkeit und Leistungsfähigkeit der Organisation am grössten. Wenn die drei Strukturen nicht ausgewogen sind, führt das zu erheblichen Nachteilen. Ist die formelle Struktur zu stark gewichtet, leidet die Wertschöpfung. Hat die informelle Struktur ein zu grosses Gewicht, führt das zu Mobbing. Und wenn die Wertschöpfungsstruktur dominiert, wird alles gemacht, was möglich ist – auch Illegales.

Durchdringung der drei Strukturen

Auch der eingangs erwähnten Leitung waren diese drei Strukturen nicht explizit bewusst. In der gemeinsamen Diskussion darüber wurden wichtige Erkenntnisse gewonnen. Wie zum Beispiel, dass es in dieser Transformation darum geht, der Wertschöpfungsstruktur und der informellen Struktur mehr Raum zu geben. Um die drei Strukturen auszubalancieren müssen die richtigen Impulse am richtigen Ort gesetzt werden, was gezielte Arbeit am System benötigt.

Das Konzept der drei Strukturen haben Niels Pfläging und Silke Hermann entwickelt. In ihrem Buch Komplexithoden bezeichnen sie die drei Strukturen als Organisationsphysik. Mehr zu den drei Strukturen ist in diesem Whitepaper von Niels Pfläging und Silke Hermann zu finden.

Autor

Beat Kunz

Beat Kunz ist Organisations- und Kommunikationsberater. Im Blog berichtet er aus seiner vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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Kommentare(2)

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Peter Pröll 17.02.2021 22:09
Lieber Beat, ich empfinde es als im wahrsten Sinne des Wortes „un-anständig“, den Anstand mehr
Lieber Beat,

ich empfinde es als im wahrsten Sinne des Wortes „un-anständig“, den Anstand gänzlich missend, dass Ihr hier im Artikel fast wortwörtlich das Konzept der Organisationsphysik von Silke und Niels wiedergebt, es in der ersten Version des Beitrags erst noch falsch bei Kotter einordnet und in der Korrektur lediglich darauf verweist, dass es von den Silke und Niels „so bezeichnet“ wird. Damit sprecht Ihr den beiden Schöpfern dieses wichtigen Konzeptes die eigentliche Leistung doch rundweg ab!

Der nachträgliche Verweis in den Kommentaren mit URL aber ohne Link macht das nicht gut oder gar besser. Die Un-Anständigkeit sitzt, wurde nicht korrigiert und damit von Dir noch bestätigt!

Silke und Niels haben unglaublich wertvolle Konzepte entwickelt und lassen uns alle oft genug ganz frei daran teilhaben. Diesen Umstand so ausgenutzt zu sehen, hinterlässt einen sehr faden Geschmack.

Wieso schreibst Du den Artikel nicht entsprechend und schreibst ehrlicherweise über das Konzept von Silke und Niels? Von Anfang an? Das wäre gebührend respektvoll, stände Dir sehr gut und täte der Darstellung Deiner Expertise und Seriösität keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Und damit würde es auch beruflich weiterbringen.

Ich verstehe Deine Haltung hinter diesem Artikel nicht und habe dafür auch keinerlei Verständnis. weniger
 
Niels Pfläging 18.02.2021 16:46
Plus 1
Plus 1 weniger
 
Niels Pfläging 17.02.2021 11:46
Lieber Beta, du suggerierst hier bedauerlicherweise, dass John Kotter die drei Strukturen der mehr
Lieber Beta, du suggerierst hier bedauerlicherweise, dass John Kotter die drei Strukturen der Organisationsphysik "beschrieben" habe. Fakt ist: Das hat er nicht. In seiner Arbeit ist keine Spur von Wertschöpfungsstruktur zu finden. Nur Formelle Struktur und Informelle Struktur sind dort erläutert. Ich würde es begrüssen, wenn ihr dies in eurem Beitrag hier richtigstellen würdet. Auch ein Verweis auf Das BetaCodex Network-Paper zu Orgnisationsphysik von 2011 wäre erwähnenswert. Danke! weniger
 
Beat 17.02.2021 13:15
Lieber Niels. Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe den Blogbeitrag korrigiert. Es tut mir mehr
Lieber Niels. Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe den Blogbeitrag korrigiert. Es tut mir leid, dass wir das falsch vermerkt haben.
Hier der Link auf das White Paper: https://www2.slideshare.net/npflaeging/betacodex11-the-3-structures-of-an-organization weniger
 
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