23.09.2020

Der Dringlichkeit auf der Spur

Ein wichtiger Punkt in jedem Veränderungsprozess.

Dringlichkeit

Für eine Veränderung muss die Dringlichkeit allen verständlich sein.

Bereits John Kotter hat in seinen acht Schritten zum Meistern von Veränderungen den Punkt der Dringlichkeit an die erste Stelle gesetzt. Auch wenn wir in unserer Arbeit zurückblicken, war die Klarheit über die Dringlichkeit oder die Kommunikation darüber oft ein erster Knackpunkt und manchmal sogar die erste Schieflage im Veränderungsprozess. Doch wenn es mir nicht gelingt, klar darzulegen, warum eine Veränderung ansteht und was ich mir als Führungsperson davon verspreche, wie soll dann Energie entstehen? Vergangene Woche fanden gleich bei zwei grossen Veränderungsprozessen, die wir begleiten, Informationsveranstaltungen statt, an denen die Dringlichkeit im Vordergrund stand. In diesem Blog berichten wir aus der Arbeit im Umgang mit der Dringlichkeit in zwei verschiedenen Firmen.

Ein radikaler Wechsel aufgrund negativer Finanzzahlen

Der Geschäftsführer eines kleinen Dienstleistungsunternehmens, der erst seit kurzem verantwortlich ist für die Firma, stellte fest, dass die Finanzzahlen seit Jahren negativ sind. Diesen Trend kann sich die Firma nicht mehr lange leisten. Also entschloss er sich, die Organisation radikal umzugestalten. Und zwar so, dass die Entscheidungsmacht nicht mehr in der Hierarchie liegt, sondern bei den Könnerinnen und Könnern im Unternehmen - also bei allen. Er ist überzeugt, dass mehr und bessere Ideen für die Trendwende entstehen, wenn alle mitdenken, mitgestalten und mitentscheiden. An einer internen Veranstaltung informierte er die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter transparent und sehr ernsthaft über die finanzielle Situation der Firma und seinen Entscheid, die hierarchische Führung abzuschaffen. Dabei hat seine ehrliche und authentische Art die Menschen erreicht und berührt. Auch wenn er noch kein präzises Bild der neuen Organisation zeichnen konnte, hat er es mit seiner eindringlichen Erzählung geschafft, dass die Kolleginnen und Kollegen bereit sind, sich auf den Prozess einzulassen.

Merkpunkte:

  • Dringlichkeit besteht nicht nur aus Fakten. Daneben gibt es auch eine emotionale Seite. Nur wenn beide Seiten angemessen dargestellt werden, ist genügend Energie da, um die Transformation gemeinsam anzugehen und zu gestalten.
  • Dringlichkeit soll Neugier auslösen. Neugier auf die Transformation, auf den Prozess, auf das, was kommt. Neugier ist ein guter Nährboden für Veränderungen.

Zwei Teams wenden sich der Selbstorganisation zu

Eine Führungsperson sieht für ihre zwei Teams die Antwort auf die Frage «Wie können wir zukunftsfähig bleiben?» in der Selbstorganisation. In Gesprächen wurden seine Begeisterung und sein Wille dafür sehr deutlich. Auf mein Nachfragen, warum willst du das, hörte ich unterschiedliche, zaghafte Antworten. In der Vorbereitung war es darum wichtig, in die Tiefe zu denken und das Warum in aller Ernsthaftigkeit zu ergründen. Das ist ein Ringen um Worte. In diesem anstrengenden Denkprozess tauchte auch die Frage auf: Kann ich diese Worte meinen Teams zumuten? Ja, man kann und muss. Denn wenn ich als Zuhörer oder Zuhörerin nicht alles weiss, wie soll in mir der Impuls «Da müssen wir sofort etwa tun» entstehen? Genau diesen Effekt will ich ja in der Kommunikation nach aussen erzeugen.

Merkpunkte:

  • Der Wille ist ein unschätzbarer Wert und hilft, um längere Zeit durchzuhalten und standfest zu bleiben.
  • Es ist den Mitarbeitenden zuzumuten, dass sie klare Botschaften verstehen. Sie beschützen zu wollen, heisst, dass ich ihnen nicht zutraue, selber zu denken. In diesem Fall ist es hilfreich, (nochmals) über sein eigenes Menschenbild zu reflektieren.

Fazit

Für das Verständnis, was zu einer Veränderung führt, muss die Dringlichkeit vermittelt werden. Dafür braucht es klare Worte über die Lage (mit Fakten, allenfalls Zahlen), Worte der Einschätzung und eine emotionale Kopplung. Wenn es mir gelingt, meine Punkte so darzulegen, dass die Zuhörer und Zuhörerinnen auf die gleiche Lösung wie ich kommen, dann erzeuge ich geteilte Dringlichkeit.

 

 

Autor

Beat Kunz

Beat Kunz ist Organisations- und Kommunikationsberater. Im Blog berichtet er aus seiner vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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