23.06.2021

Aus Verantwortung handeln

Eine Anregung zur Selbstreflexion anhand des Responsibility Process.

Verantwortungsprozess

Der Responsibility Process regt an, über seine eigenen Entscheidungen nachzudenken.

Im Rahmen der Selbstorganisation oder auch in persönlichen Reflexionen im Coaching ist das Thema Verantwortung immer wieder von Bedeutung. Unter «Verantwortung übernehmen» wird vieles verstanden und darum erleben wir es als wichtig, genauer hinzusehen und zu sortieren, was da in welchem Kontext eigentlich genau gemeint ist. Für uns als Einzelperson bedeutet aus Verantwortung zu handeln Selbst-Empowerment und Selbstführung. Es geht um die Inbesitznahme der eigenen Erfahrungen und damit verknüpft ist der Wille und die Fähigkeit zu effektivem Handeln. Sein Leben selber gestalten. Das tun wir alle immer wieder. Was da bei uns im Einzelnen abläuft, davon handelt dieser Blogbeitrag.

Der Responsibility Process

Im Alltag nehmen wir durch unsere Sinnesorgane verschiedene Impulse, Eindrücke und Botschaften wahr. Unser Hirn selektioniert die Eindrücke und produziert Zuschreibungen. Je mehr wir uns unseren Zuschreibungen nach Ursache-Wirkung bewusst sind, desto besser können wir uns selber im Verantwortungsprozess navigieren. Der Responsibility Process nach Christopher Avery bietet dazu eine Anregung zur Reflexion und zur Selbstentwicklung. Er beschreibt die Stationen, wie unser Gehirn Gedanken über Ursache und Wirkung in unserem Hirn verarbeitet und wie wir damit umgehen. Mit uns selber und auch unserem Umfeld.

Sieben mentale Zustände

Christopher Avery beschreibt dazu sieben mögliche Stationen, sogenannte mentale Zustände:

  • Leugnen: wir ignorieren die Existenz eines Themas oder wissen es noch gar nicht.
  • Beschuldigen: wir machen andere Personen dafür verantwortlich, dass etwas passiert ist.
  • Rechtfertigen: wir machen die Umstände dafür verantwortlich, dass es so ist, wie es ist.
  • Schämen: wir verurteilen uns selber (zum Beispiel anhand von Schuldgefühlen).
  • Verpflichtung: wir tun etwas, weil wir glauben es tun zu müssen.
  • Aufgeben: wir kapitulieren, weil die Spannung aus Schämen oder Verpflichtung zu gross ist.
  • Verantwortung: wir nehmen unsere Fähigkeiten und Kraft in Besitz und erschaffen, wählen und gestalten mit.

Die ersten sechs Stationen sind unsere Art, Probleme zu bewältigen, von denen wir noch nicht wissen, wie wir uns ihnen stellen und sie lösen sollen. Es sind Bewältigungs- oder Abwehrmechanismen. Die letzte Station («Verantwortung») beschreibt den Zustand, in dem wir ganz aus der Verantwortung heraus handeln.

Wir alle kennen diese Stationen und je nach Situation/Rahmenbedingungen gelingt es uns, zu (ver-)anworten oder wir reagieren mit Verantwortungsvermeidung oder ignorieren. Die Fähigkeit, aus Verantwortung zu handeln, haben wir aber alle. Das attestiert uns schon die Volljährigkeit. Generell ist es ein grosser Unterschied, ob ich die Lösung des Problems in mir oder ausserhalb suche.

Übrigens: «Aus Verantwortung handeln» ist nicht das gleiche wie «verantwortlich gemacht zu werden». Aber dazu mehr in einem nächsten Blogbeitrag.

Und wie ist es bei Ihnen?

Beim Responsibility Process geht es nicht um die Einteilung von gut und schlecht. Sondern darum, sich bewusst zu sein, dass immer eine Wahl besteht. Sie entscheiden, welche Wahl Sie treffen. Überprüfen Sie anhand der folgenden Fragen, wie Sie sich in verschiedenen Situationen entschieden haben.

  • In welcher Situation haben Sie schon den mentalen Zustand des Beschuldigens oder des Rechtfertigens gewählt?
  • Bei welchem Ärgernis oder Problem haben Sie sich innerlich selber mit dem Gedanken «Ich bin so ein Dummkopf» abgewertet?
  • Welche Situation kommt Ihnen in den Sinn, in der Sie aus Verpflichtung zu etwas ja gesagt haben, obwohl Sie eigentlich nicht wollten?
  • Bei welchem Thema haben Sie kürzlich aus Verantwortung praktiziert?
  • Welche mentalen Zustände sind Ihnen vertrauter?

Lesetipp: The Responsibility Process. Christophery Avery. Dpunkt.verlag

Autorin

Luzia Anliker

Luzia Anliker ist Beraterin und Coach. Im Blog berichtet sie aus ihrer langjährigen und vielfältigen Tätigkeit bei crearium.

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